Infraschall

Infraschall

Infraschall (Schall mit sehr niedrigen Frequenzen) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Beispiele für tieffrequente Geräusche finden sich in beinahe jeder Alltagssituation und können Beeinträchtigungen im Wohlbefinden auslösen. Auch sind medizinische Fälle bekannt, bei denen Anwohner, die in der Nähe eines Windparks leben, aus Sorge, von unangenehmen Schallemissionen betroffen zu sein, erkranken.

Neben natürlichen Quellen wie Gewittern, Windströmungen und Meeresbrandungen gibt es eine Vielzahl technischer Infraschallquellen wie Heizungs- und Klimaanlagen, Kompressoren und Verkehrsmittel. In einer komplexen Umwelt ist es daher schwierig zu trennen, welche Symptome auf welche Ursachen zurückzuführen sind.

Der Schutz vor Schallimmissionen wird durch das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) gesetzlich konkretisiert. Auf Basis dieses Gesetzes und der zugehörigen Verordnungen und Verwaltungsvorschriften werden die Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen und andere industrielle Bauvorhaben durchgeführt. Die TA Lärm ist dabei die Verwaltungsvorschrift, die den genauen Umgang mit tieffrequenten Geräuschen von gewerblichen Anlagen regelt. Aktuelle Studien aus dem In- und Ausland zeigen, dass die gesetzlichen Vorgaben jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung tragen.

2008 ließ die Senvion Deutschland GmbH (ehem. REpower Systems) zur Überprüfung der Sachlage umfangreiche Messungen an Häusern mit einem geringen Abstand (ca. 0,5 km) zu einer 5-MW-Windenergieanlage (WEA) durchführen. Dieser WEA-Typ wird vornehmlich im Offshore-Bereich verwendet, so dass die gemessenen Werte weit über denen herkömmlicher WEA im Binnenland liegen. Die Messungen zeigten, dass die durch die Rotation der WEA entstehenden Infraschallemissionen unterhalb der menschlichen Wahrnehmbarkeitsschwelle liegen.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangten Studien des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes. Diese zeigten, dass Infraschall unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle, also Schall unter 20 Hertz und einem Schalldruckpegel von weniger als 130 Dezibel, für den menschlichen Organismus keinerlei negative Auswirkungen hat.

Nach der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und weiteren Landesbehörden im Jahr 2014 widmete sich 2015 auch das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Energie dem Thema Infraschall von Windenergieanlagen. Dabei wurden die Infraschalldruckpegel von Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1,8 bis 3,2 Megawatt (MW) bewertet. Selbst im Nahbereich bei Abständen zwischen 150 und 300 Metern lagen die Messwerte deutlich unterhalb der menschlichen Hör- bzw. Wahrnehmungsschwelle. Die deutschlandweit üblichen Abstände zur Wohnbebauung liegen deutlich höher. Ein wissenschaftlicher Zusammenhang zwischen Infraschall durch Windenergieanlagen und gesundheitlichen Belastungen sei den Wissenschaftlern zufolge daher bei der derzeitigen Befundlage nicht herstellbar.

Trotz der positiven Studienergebnisse ist weitere Forschung im Bereich tieffrequenter Geräusche notwendig. Insbesondere das Zusammenspiel der zahlreichen künstlich erzeugten Quellen von Infraschall innerhalb der menschlichen Umgebung ist weiterhin zu untersuchen.

Tags: Klimaschutz, Naturschutz, Onshore, Planung



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Quelle: www.wind-energie.de/themen/infraschall