Natur- und Artenschutz

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Insgesamt konnten hessenweit 17 Rotmilane mit einem Sender ausgestattet werden (davon 9 Alt- und 8 Jungvögel). Der BWE LV Hessen erwartet bis Ende des Jahres erste Ergebnisse zu deren Flugverhalten.

Flugverhalten des Rotmilans: Hessen startet Ausschreibung für Telemetrie-Studie

Das Hessische Wirtschaftsministerium wird in Abstimmung mit dem Umweltministerium ein Fachgutachten zur Vertiefung des Wissens über das Flugverhalten des Rotmilans vergeben. Bereits 2016 wurden während einer dreijährigen Telemetrie-Studie des Rotmilans im Vogelsberg wichtige grundsätzliche Erkenntnisse gewonnen. Diese sollen zeitnah durch vertiefende Analysen differenziert, geprüft und bei Bedarf fachlich optimiert werden – im Rahmen des Forschungsprojektes „Erweiterung der Wissensbasis zum Flugverhalten des Rotmilans mittels GPS-gestützten Telemetrie-Daten in Hessen". Die Ausschreibung hierzu hat bereits stattgefunden.

Flugverhalten im Windparkbereich
Anhand von GPS-Sendern können künftig alle Bewegungen des Rotmilans verfolgt sowie tote Tiere schneller aufgespürt werden. Ziel ist es, mittels Telemetriedaten die Lebensraumnutzung von Rotmilanen zu ermitteln und die Hauptgründe für deren Sterblichkeit zu quantifizieren. Sofern Flüge telemetrierter Tiere in Windparks bzw. im Nahbereich von Windenergieanlagen (WEA) auftreten, werden die Flugereignisse unter Angabe folgender Parameter ausgewertet:
- Flughöhe
- Distanz zum WEA-Mast
- Ausrichtung der Rotoren

Hessische Verwaltungsvorschrift mittels aktueller Daten untermauern
Seit Januar 2021 gilt in Hessen die neue Verwaltungsvorschrift Naturschutz/Windenergie (VwV).
Um die Wissensbasis in den in der VwV genannten strittigen Punkten zu erweitern, sollen ausgedehntere Telemetrie-Untersuchungen von mindestens 10 Brutvögeln in möglichst vielen verschiedenen Naturräumen Hessens durchgeführt werden. Schätzungen zufolge braucht es jedoch mindestens 30 Rotmilan-Brutpaare in der Nähe bestehender Windparks, um 10 „Altvögel“ fangen und besendern zu können.

BWE-Landesverband Hessen unterstützt Forschungsvorhaben
Im März startete der BWE Landesverband Hessen einen Aufruf an die hiesige Windbranche, um Unterstützer für das Forschungsvorhaben zu gewinnen. Inzwischen haben sich 15 hessische Windparkbetreiber (21 Windparks), in deren Nähe Rotmilane bekannt sind, bereit erklärt, den Ministerien für o.g.  Forschungsvorhaben Betriebsdaten bereitzustellen. Derzeit findet eine Auswahl der am besten geeigneten Windparks statt. Dabei werden alle Varianten von Offenland- und Waldstandorten sowie Landesteile berücksichtigt. Der hessische Landesverband in Wiesbaden wird hierfür eng mit den zuständigen Ministerien zusammenarbeiten. Darüber hinaus wird er über weitere Schritte während der gesamten Projektphase informieren. Sofern die Telemetrie-Studie zeitnah startet, können wir bereits Ende des Jahres mit ersten Zwischenergebnissen rechnen.

 

Hessische Verwaltungsvorschrift (VwV) Naturschutz/Windenergie seit Januar 2021 in Kraft

Hessen gelang es, in nur elf Monaten den Naturschutzleitfaden von 2012 gemeinsam mit Branche und Verbänden (HGON, BUND, NABU, BWE Landesverband) sowie Vertretern der zuständigen Ministerien zu überarbeiten. Im Oktober 2019 fand der Auftakt im Wirtschaftsministerium statt, gefolgt von sechs Workshops, in denen die hessischen BWE-Mitglieder rege ihre Ideen einbrachten. Dank deren Engagement und der guten Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden ging es zügig voran. Im Mai wurde der erste Textentwurf versandt, Anfang September lag bereits die finale Fassung der Verwaltungsvorschrift vor.

Seit Januar ist die neue Hessische Verwaltungsvorschrift (VwV) Naturschutz/Windenergie in Kraft. Diese wird bereits deutschlandweit ­als herausragendes Vorbild herangezogen und als Grundlage eigener Überarbeitungen von Naturschutzvorschriften in den Ländern genutzt. Auch der UMK-Prozess mit dem BMU baut sehr stark auf diesem Papier auf.
Derzeit werden noch ergänzende Artenschutzsteckbriefe sowie Artenschutzmaßnahmen in Schwerpunkträumen entwickelt. Hierfür fordert der BWE Hessen gemeinsam mit den hiesigen Naturschutzverbänden zusätzliche Artenschutzprogramme. Dieser Prozess wird voraussichtlich Mitte des Jahres abgeschlossen sein.

Sicher ist: Der moderierte Erarbeitungsprozess der drei Naturschutzverbände BUND, NABU, HGON gemeinsam mit dem BWE Landesverband Hessen wird als vorbildlich gelobt und dient mittlerweile als Vorlage für gleichartige Prozesse in anderen Bundesländern.

Download: Verwaltungsvorschrift Windenergie/Naturschutz 2020