Landespolitik

Bis 2050 will das Land seinen Stromverbrauch komplett aus Erneuerbarer Energie decken. Davon soll Windenergie mit 28 TWh jährlich mehr als die Hälfte beitragen. In der Zeit von 2014 bis 2019 will die Schwarz-Grüne Landesregierung die in Hessen installierte Windkraftleistung verdreifachen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten im Schnitt 400 MW jährlich hinzukommen. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass der Windenergieausbau trotz politischen Willens vor allem aufgrund naturschutzrechtlicher Konflikte noch nicht in diesem Tempo vorankommt.

In Hessen ist der Ausbau fast zum Erliegen gekommen, das hat mehrere Ursachen. Im ganzen letzten Jahr wurden nur zwei Genehmigungen in Hessen erteilt. Grund hierfür ist es, dass viele Genehmigungsanträge bei den seit letztem Jahr laufenden Ausschreibungen keine Chance auf einen Zuschlag hätten. Die meisten Projektierer haben ihre Anträge zurückgezogen und gehen mit größeren Windkraftanlagen erneut ins Rennen, das kann weitere Jahre Verzögerung bedeuten. Nicht wenige Standorte haben schwierige Windverhältnisse und deutlich höhere Investitionskosten als in Norddeutschland, damit erscheint ein wirtschaftlicher Betrieb mit den Ausschreibungsergebnissen des letzten Jahres nicht realistisch.

Das beweist einmal mehr, dass die großen Unterschiede in den einzelnen Bundesländern auch unterschiedlich bewertet werden müssen. In Hessen sind zurzeit über 80 Prozent der neuen Standorte in Wäldern und in bergigen Regionen, mit gänzlich anderen Anforderungen als Standorte in der offenen Agrarsteppe. Die Naturschutzbelange sind erheblich, sie verzögern und verteuern die Projekte in vorher nicht geahnter Weise. Es ist gut, dass alle Fraktionen des Landtags, bis auf die FDP, weiterhin zum Hessischen Energiegipfel von 2011 stehen und damit zwei Prozent der Landesfläche als Windvorranggebiet ausgewiesen werden sollen. In zwei von drei Regierungsbezirken ist das schon umgesetzt worden, auch wenn hier noch Nachbesserungsbedarf besteht.