Meldungen aus Baden-Württemberg

Besuch der Baustelle des Windparks Drackenstein

Auf der Gemarkung Drackenstein besichtigte eine Gruppe von Greenpeace-Aktivisten aus dem Kreis Reutlingen mit dem Vorstand des BWE-Regionalverbands Südwürttemberg eine der wenigen Baustellen für einen Windpark in Baden-Württemberg. Hier entstehen fünf Nordex-Anlagen vom Typ N131 mit einer Nabenhöhe von 164 Metern. Drei davon wird Planet Energy betreiben, eine Tochter der Hamburger Ökoenergie-Genossenschaft Greenpeace Energy, zwei das Albwerk aus Geislingen, das die Region mit Energie versorgt.

Vom Baustellenleiter der Firma Nordex, Jörg Heger, erhielt die Gruppe eine äußerst sachkundige Führung. Beeindruckend waren die Dimensionen auf der Baustelle, von zwei Stahlrohrturmsegmenten über das 15 Tonnen schwere Gerät zum Bewegen der Rotorblätter bis zum Kran, der ausgestreckt am Boden etwa 210 Meter misst. Im Gespräch mit dem Bürgermeister Roland Lang ging es vor allem um Fragen der Akzeptanz. Hier offenbart sich der Vorteil des sozialen Zusammenhalts einer kleinen Gemeinde (461 Einwohner): Lang schilderte, wie er das Projekt auf einer Bürgervollversammlung vorgestellt habe. Man sei sich einig gewesen, dass die Gemeinde einen Beitrag zur regionalen und erneuerbaren Energieversorgung leisten wolle. „Die Pläne lagen auf dem Tisch“, und da die Bürger sich alle auf der Gemarkung auskennen, konnte sich jeder anhand der Anlagen in der Nachbargemeinde ein Bild des geplanten Windparks machen. Circa 1,5 Kilometer ist die nächstgelegene, neue Anlage vom Ortsteil Oberdrackenstein entfernt. Auch die Zusammenarbeit mit dem Baustellenteam und dem Netzbetreiber, dem Albwerk, sei vertrauensvoll und von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt. Wir brauchen dringend mehr solcher Baustellen!

Wind weht auch in Oberschwaben!

Vor seiner JHV hatte der RV Süd-Württemberg zu einer Besichtigung des Windparks Bad Saulgau eingeladen. Dr. Matthias Pavel von der Betreibergesellschaft Uhl Windkraft Projektierung GmbH & Co. KG aus Ellwangen hatte kompetent über Entstehungsgeschichte und Technik des Windparks berichtet. Auf einem 680m hohen Bergrücken östlich von Bad Saulgau wurden 2019 drei  Windkraftanlagen V136 mit Nabenhöhe 149m und je 3,6 MW Nennleistung errichtet.

Die BImsch-Genehmigung war schon 2016 erteilt, was noch eine Festvergütung nach dem EEG 2014 ermöglicht hätte. Jedoch wurde die Genehmigung vor Gericht angefochten und erst im Juli 2018 vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim bestätigt. Daher musste der Windpark doch am Ausschreibungs­verfahren teilnehmen. In diesem Fall glücklicherweise, zu einer Zeit, als die Ausschreibungen bereits unterzeichnet waren. Insofern bleibt der Verlust an Einspeisevergütung überschaubar. Eine solche, fast dreijährige, Verzögerung muss ein Projektierer erst einmal verkraften können!

Für jede WKA musste jeweils ein Hektar Fichtenforst gerodet werden. Auf rund der halben Fläche, die nur temporär als Montagefläche benötigt wurde, pflanzt die Betreiberfirma bis Jahresende einen artenreicher Mischwald. Zum Schutz der Fledermäuse werden derzeit die Anlagen abends und nachts stillgesetzt, sofern der Wind schwächer als mit 6 m/s weht und die Temperatur über 10° liegt. Mit einem aufwendigen Monitoring wird nun über zwei Jahre ermittelt, welche Fledermausarten bei welchen Wetterbedingungen unterwegs sind, um die  Abschaltung noch feinjustieren zu können.

Zum Abschluss gab Dr. Pavel den Teilnehmern noch eine positive Botschaft mit: Nach knapp einem Jahr Betrieb sind die Winderträge in Bad Saulgau mindestens vergleichbar mit anderen Anlagen der Uhl Windkraft im Albvorland und in Hohenlohe.

Bei der folgenden JHV präsentierte Rechtsanwalt Dr. Schrader von der Kanzlei Dohle ∙ Simon aus Freiburg die Rechtslage und mögliche Fallstricke beim Zusammenspiel von Waldumwandlungs­genehmigung durch die obere Forstbehörde und der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung durch das jeweilige Landratsamt. Außerdem ging er kurz auf die Weiterentwicklung der Rechtsprechung zum Bau von Windkraftanlagen in Landschaftsschutzgebieten ein.

Bei der Wahl der Delegierten zur Bundesdelgiertenversammlung wurden folgende Mitglieder gewählt. Delegierte: Georg Schad, Andreas Marx. Ersatzdelegierte: Dr. Christian Hajduk, Johannes Traub.

 

Frischer Wind fürs Ländle

Neuer Windpark geht in Biederbach ans Netz

Der jüngste Windpark Baden-Württembergs mit der derzeit modernsten leistungsstärksten Anlage im Land ist am 29. Oktober 2020 ans Netz gegangen. Die Rekordmühle vom Typ E-138 hat eine Leistung von 4,2 MW, der gesamte Windpark mit drei Anlagen kommt auf 8,9 MW und wird, je nach Windjahr, 15 bis 20 Mio. Kilowattstunden erzeugen. Damit produzieren sie ein Vielfaches des Gesamtstromverbrauchs der Gemeinde Biederbach und dies klimagerecht. Diese stand und steht, wie Bürgermeister Rafael Mathis hervorhob, geschlossen hinter dem Projekt. Die jahrelange Informationsarbeit der örtlichen Energiegenossenschaft fiel bei den Bürgern auf fruchtbaren Boden.

Die Investitionskosten von elf Mio. € wurden von Bürgern vor Ort, sechs badischen Bürgerenergiegenossenschaften und der regionalen Sparkasse in Zusammenarbeit mit der Landeskreditbank aufgebracht. Die Ökostromgruppe Freiburg hat den Windpark projektiert und die Geschäftsführung übernommen. Geschäftsführer Andreas Markowsky dankte insbesondere den an der Realisierung des Parks und der gemeinsamen Kabeltrasse beteiligten Gemeinden, den vielen Verpächtern und den mit dem Bau beauftragten Unternehmen. Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Amtschef des Umweltministeriums Baden-Württemberg, betonte: „Wir können den Klimaschutz im Land nur voranbringen, wenn konkrete Projekte, wie hier in Biederbach erfolgreich umgesetzt werden. Der Ausbau von Windenergie hat hierbei einen besonderen Stellenwert. Die Landesregierung bekennt sich zu ihrer Verantwortung, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, damit wir den Weg der Energiewende weiter energisch beschreiten können.“

Dem Regierungspräsidium kommt bei der Koordination eine Schlüsselfunktion zu, wenn es um den Ausbau erneuerbarer Energien geht. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer: „Naturschutz und Klimaschutz schließen sich nicht aus, sondern müssen Hand in Hand gehen. Gerade die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Genehmigungs- und Fachbehörden, Regierungspräsidium und Umweltministerium zur Überwindung der verschiedenen anspruchsvollen Hürden, zeichnet dieses Vorhaben und seine erfolgreiche Realisierung aus.“

Nach mehrjähriger Vorbereitung durch den Gemeindeverwaltungsverband und einem ersten Genehmigungsverfahren, das im Januar 2015 begann, wurde dann der finale Antrag vom Landratsamt 2018 nach rund einem halben Jahr genehmigt.

Der erste Landesbeamte Hinrich Ohlenroth erläuterte, dass das nur möglich war, weil im Vorfeld vieles abgeklärt wurde und außerdem der Landtag trotz einer gegen den Windpark eingereichten Petition „grünes Licht“ für die Genehmigung erteilt hatte.

Foto vlnr.:  Hinrich Ohlenroth, Andreas Markowsky, Bärbel Schäfer, Helmfried Meinel und Rafael Mathis