Kiel, 29. Januar 2026 – Beim gemeinsamen Neujahrsempfang von ARGE NETZ, dem Bundesverband WindEnergie Schleswig-Holstein (BWE SH) und dem Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH) zum Thema Versorgungssicherheit benennen Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN), Stephan Frense (ARGE Netz), Steffen Bandelow (SH Netz) und Marcus Hrach (LEE SH) die zentralen Herausforderungen und Handlungsbedarfe.
Minister Goldschmidt machte deutlich, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien gerade in der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage nicht an Tempo verlieren dürfe: „Energiepolitik ist Sicherheitspolitik. Aktuell setzt jeder Blick in die Zeitung ein Ausrufezeichen hinter diesen Satz. Unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmtheit in Europa werden auch davon abhängen, ob wir uns gut selbst versorgen können. Wind, Sonne und Biogas sind frei von Zöllen, Handelsstreit und politischer Willkür. Deshalb ist der Ausbau gerade jetzt so bedeutsam“.
„Und“, so Goldschmidt weiter „Energiepolitik ist Standortpolitik. Gerade für Unternehmen der Zukunft ist die unkomplizierte Versorgung mit Grünem Strom das A und O. Hier hat Schleswig-Holstein die Nase vorn. Der nächste Schritt ist, Potentiale für mehr Flexibilität, gerade bei Netzanschlüssen, zu nutzen, um zusätzliche Lasten, also Stromabnahme, gut einzubinden und den Strom, den wir haben, zu nutzen. Die Erneuerbaren Energien sind das Rückgrat einer sicheren, bezahlbaren und klimafreundlichen Energieversorgung. Gerade in diesen Zeiten muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien ambitioniert vorangehen.“ Mit Blick auf das Ende dieses Jahres auslaufende EEG, fordert Minister Goldschmidt eine schnelle Anschlusslösung vom Bund.
Zentrales Thema bleibt die bessere Nutzung des bereits erzeugten erneuerbaren Stroms. Stephan Frense, Geschäftsführer der ARGE NETZ, betonte die Rolle der Netze und der Flexibilität: „Der deutliche Rückgang der Abregelungsmengen aus Erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren belegt, dass der Ausbau der Erneuerbaren und der Netze zunehmend gemeinsam geplant und umgesetzt wurde. Schleswig-Holstein befindet sich damit nicht mehr in einer frühen Entwicklungsphase, sondern im Betrieb eines erneuerbaren Stromsystems mit hohen Anteilen fluktuierender Erzeugung. Politisch sollte dieser Reifegrad anerkannt werden. Die nächste Phase erfordert eine abgestimmte Flexibilitäts- und Netzanschlussagenda, die regionale Investitionsbereitschaft systematisch einbezieht und flexible Lösungen am Netzverknüpfungspunkt ermöglicht. Redispatch und Ausgleichszahlungen bleiben in der aktuellen Phase ein Bestandteil der Systemsteuerung und sichern Investitionen ab. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass strukturelle Flexibilitätsoptionen erforderlich sind, um Netzengpässe effizient zu managen. Dafür braucht es politische Rahmenbedingungen, die Netzanschlussvereinbarungen, Speicher und flexible Betriebsweisen als reguläre Instrumente vorsehen und nicht ausschließlich aus der Perspektive der Netzbetreiber gestaltet werden.“
Steffen Bandelow, Geschäftsführer Netzwirtschaft bei der SH Netz erläuterte: „Wir wollen, dass die Menschen und Unternehmen in Schleswig-Holstein sicher, nachhaltig und bezahlbar mit immer mehr grüner Energie von hier versorgt werden. Dafür haben wir in den vergangenen zehn Jahren rund 2,5 Milliarden in unsere Netze investiert und werden auch in Zukunft die Netze kraftvoll ausbauen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, die Bereitstellung von Netzanschlüssen für Stromverbraucher und -einspeiser sowie Speicherbetreiber zukünftig noch besser als bisher zu koordinieren, um so die Effizienz der Energiewende zu steigern, die Kosten zu senken und so die Akzeptanz bei den Menschen im Land zu sichern“.
Marcus Hrach, Geschäftsführer des LEE SH, machte deutlich: „Für die nächsten Schritte gilt es, den Blick konsequent nach vorn zu richten: Damit Schleswig-Holstein seine Vorreiterrolle behält, sollte die stets lösungsorientierte Zusammenarbeit auf Landesebene Vorbild für die energiepolitische Arbeit im Bund sein.“ Zugleich verwies Hrach auf die wachsenden Anforderungen an das Energiesystem: „Themen wie Resilienz und Cybersicherheit gewinnen künftig weiter an Bedeutung. Eine dezentrale erneuerbare Energieversorgung ist dabei ein strategischer Vorteil gegenüber zentralen Strukturen. Sie erhöht die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten und ist weniger anfällig für Ausfälle und Angriffe.“ Ein „Weiter so“ könne es nicht geben, denn „Erneuerbare Energien sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer modernen und zukunftsfähigen Infrastruktur“, so Hrach.
Der Neujahrsempfang der Erneuerbaren sendet klare Signale aus Politik und Branche: Die Energiewende in Schleswig-Holstein braucht ambitionierte Ziele, verlässliche politische Rahmenbedingungen und ein lösungsorientiertes Handeln aller Beteiligten. Eine konsequent fortgeführte und kontinuierlich optimierte Energiewende ist die Voraussetzung dafür, Klimaneutralität mit Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu vereinen.
Ansprechpersonen:
Dr. Kirsten Hess
Pressesprecherin LEE SH +49 152 0987 22 93
Kristina Clemens
Pressesprecherin BWE SH +49 160 581 56 22
Clara van Biezen
Sprecherin Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur +49 176 8580 19 64
Ina Kietzmann
Leiterin Landespolitik & Kommunikation ARGE NETZ
+49 151 708 940 24
Ove Struck
Leiter Kommunikation Hansewerk +49 1511213 67 72


