Windgutachterbeirat

Der Schwerpunkt der Arbeit des Windgutachterbeirates im BWE ist die Verbesserung von Wind-Prognosen im Binnenland. Ein Ziel ist es die Qualität von Gutachten vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse zu prüfen und zu steigern. Ein steter Austausch von Erfahrungen untereinander und mit externen Experten  sowie regelmäßige Fachvorträge zum Thema bestimmen die Arbeit des Beirats. Als beratendes Gremium des Bundesverbands WindEnergie werden Empfehlungen für die Weiterentwicklung bestehender Regelungen oder Definitionen für Mindeststandards von Gutachten formuliert.

Wind- und Energieertragsgutachten sind eine der wichtigsten Bewertungs- und Entscheidungsgrundlagen für die Planung und Finanzierung von Windenergieprojekten. Die Ermittlung des Windpotenzials an einem Standort und die Berechnung des zu erwartenden Ertrages einer Windenergieanlage erfolgen in Deutschland üblicherweise gemäß der Technischen Richtlinie 6 (TR6) der Fördergesellschaft Windenergie und andere dezentrale Energien (FGW).  Die Mitglieder und Fachteilnehmer des BWE-Windgutachterbeirats führen regelmäßig Workshops zu verschiedenen Fachthemen durch und diskutieren aktuelle Erkenntnisse zu den Inhalten der TR6. Darüber hinaus werden sogenannte Ringvergleiche, tiefergehende  Untersuchungen durchgeführt.

Ringvergleiche

Die Ringvergleiche, die durch den BWE-Windgutachterbeirat initiiert werden, zielen auf einen Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Aspekte ab, die die Qualität von Windprognosen maßgeblich beeinflussen. Daraus können fundierte Empfehlungen beispielsweise für die Weiterentwicklung der TR6 folgen.

Ringvergleich 2015 „Windgutachten“

Windgutachten sollen ein verlässliches Instrument zur Ermittlung der Standortgüte sein. Berechnete Energieerträge können sich zum Teil jedoch erheblich unterscheiden. Ziel des Ringvergleiches 2015 war es daher, die Ursachen für Unterschiede zu identifizieren und Lösungsansätze zu formulieren. Ein wichtiger Aspekt war die Erfassung von Eingangs- und Unsicherheitsparametern bezüglich des Prognoseergebnisses.

Ringvergleich 2013 „Langzeitbezug“

Der Langzeitbezug der Betriebsdaten von Vergleichsanlagen bildet eine wesentliche Grundlage von Ertragsberechnungen im Rahmen von Windgutachten. Dabei wird das Verhältnis von verfügbaren Betriebsdaten, die meist für einen kürzeren, nicht repräsentativen Zeitraum vorliegen, zu sogenannten Langzeitdatenquellen ermittelt. Daraus werden die Erträge abgeleitet, die die Vergleichsanlagen in einem, dem langjährigen Mittel entsprechenden, „Durchschnitts-Windjahr“ gehabt hätten. Die bekannteste dieser Langzeitdatenquellen ist der BDB-Windindex (auch IWET- oder Keiler-Häuser-Index genannt). Er beruht auf tatsächlichen Erträgen einiger tausend Windenergieanlagen, aus denen für verschiedene Regionen deutschlandweit monatsweise Indexwerte berechnet werden. Diese geben an, wie die jeweiligen monatlichen Erträge vom langjährigen Durchschnittswert abweichen. Der Vergleichstest im Zuge des Ringvergleichs 2013 zeigte eine deutliche Verbesserung der zur Verfügung stehenden Datengrundlagen. Auch die geringe Streuung der langzeitbezogenen Erträge war ein wesentlicher Indikator für die Qualitätsverbesserung von Ertragsberechnungen.

Ringvergleich 2008 „Langzeitbezug“

Der Ertrag einer Windenergieanlage wird anhand eines repräsentativen Zeitraumes in der Vergangenheit berechnet. Dabei werden unterschiedliche Daten herangezogen: Messdaten, Indizes aus Betriebsdaten,  aber auch Wetterdaten oder Simulationsergebnisse von Modellberechnungen, die sogenannten Reanalysen. Der Ringvergleich 2008 forderte die Teilnehmer auf, Kurzzeitdatenreihen in einen Langzeitbezug zu setzen. Es wurden Erkenntnisse über die Streuung der Ergebnisse und die angewandten Methoden gemäß des zu der Zeit vorliegenden Regelwerks TR 6 Revision 5 gewonnen.

Mindeststandards und Empfehlungen

Eine weitere wichtige Leistung des Windgutachterbeirats ist die Dokumentation von Stellungnahmen zur Umgebungsturbulenz. Die Umgebungsturbulenz meint die Turbulenzintensität der freien Anströmung ohne den Einfluss durch die Windenergieanlage und stellt die Variabilität der Windgeschwindigkeiten in einem bestimmten Zeitraum dar. Der BWE-Windgutachterbeirat stellt Kriterien zusammen, die einen Mindeststandard zur Erstellung und Dokumentation von gutachterlichen Stellungnahmen zur Umgebungsturbulenz definieren. Diese Kriterien sollen als Eingangsparameter für Standsicherheitsnachweise, Lebensdauerberechnungen und der Ermittlung von Mindestabständen in Windparks dienen. Somit sollen Qualität und Vergleichbarkeit von Turbulenzermittlungen verbessert und dem Windparkplaner Orientierungshilfen bei deren Beurteilung gegeben werden.

Als Planungshilfe oder zur Unterstützung der Standortsuche für Vorrangflächen für Windenergie werden beispielsweise durch die Bundesländer Windpotenzialkarten beauftragt. Sie vermitteln einen Eindruck der Windverhältnisse auf regionaler Ebene. Der BWE-Windgutachterbeirat beschreibt Qualitätskriterien für Potenzialkarten und weist auf den Anwendungsrahmen hin.

Anne Lepinski

Ansprechpartnerin

Anne Lepinski

Fachreferentin
Planung und Umwelt

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