Weiterbetrieb und Ersatz von Windenergieanlagen nach Förderende

Ab dem Jahr 2021 wird es nicht mehr allein um den Aufbau zusätzlicher Anlagenkapazität gehen, sondern erstmals auch im großen Maßstab um den Rückbau, Ersatz und dem Weiterbetrieb von Windenergieanlagen ohne Förderung. Dann nämlich erreichen Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 4.000 Megawatt ihr Förderende.

Bis 2025 folgen jährlich durchschnittlich bis zu 2.400 Megawatt. Geht man davon aus, dass ein großer Teil dieser Anlagen ohne Marktprämie nicht wirtschaftlich weiterbetrieben werden kann und vergleicht die Zahlen mit dem derzeit gültigen Ausbaupfad im EEG von 2.800 bis 2.900 Megawatt, wird schnell deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht. Im Jahr 2021 könnte es unter den aktuellen Rahmenbedingungen erstmals zu einem Rückbau der installierten Windenergieleistung in Deutschland kommen.

Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von heute rund 40 Prozent auf 65 Prozent im Jahr 2030 zu erhöhen. Der Ausbau der Windenergie an Land spielt dabei eine zentrale Rolle. Viele Projektierer sehen sich jedoch bereits heute einer angespannten Genehmigungssituation ausgesetzt. Neue Flächen werden vielerorts nur zögerlich ausgewiesen und Genehmigungsverfahren verlangsamen sich. Neubauprojekte weisen zunehmend eine lange Planungsdauer auf oder werden gar nicht realisiert.

Neue Potenziale durch Repowering

Neben einem ambitionierten Neubau gilt es also im Sinne einer effizienten Flächennutzung mehr denn je, etablierte und weithin akzeptierte Standorte in die Betrachtungen einzubeziehen. Repowering, also der Ersatz alter durch neue Anlagen, ließe sich vielerorts erleichtern. Dieses verringert in der Regel die Anlagenzahl deutlich, während sich der Ertrag aufgrund moderner Anlagentechnik vervielfacht. Interesse, diese Standorte mit bestehender Infrastruktur im Rahmen des Repowerings weiter zu nutzen, besteht oftmals nicht nur bei den jeweiligen Anlagenbetreibern, sondern auch den Anwohnern, Grundstückseigentümern und Kommunen. An Standorten ohne Repoweringoption – etwa weil die Flächen außerhalb heute definierter Vorranggebiete liegen oder aufgrund restriktiver planungs- und genehmigungsrechtlicher Regelungen wie etwa erweiterter Abstandsvorgaben – stellt der Weiterbetrieb mitunter die einzige Möglichkeit zur weiteren Nutzung der Fläche und dort bestehender Infrastruktur dar.

Windenergieanlagen im Weiterbetrieb weisen auch nach Ablauf ihrer Förderdauer einen beträchtlichen Nutzen für das Gesamtsystem auf. Sie genießen oftmals eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und schonen durch die weitere Nutzung bestehender Infrastruktur Ressourcen. Anlagen können über die kalkulierte Lebensdauer von 20 Jahren hinaus betrieben werden, wenn ein Standsicherheitsnachweis über die Eignung der Anlage und die Dauer des möglichen Weiterbetriebs ausgestellt wird. Aufgrund vergangener technischer Nachrüstungsprogramme stellen Bestandsanlagen im Weiterbetrieb auch kein Problem für die Netzstabilität dar.

Faire Rahmenbedingungen können dafür sorgen, dass Betreiber von Anlagen im Weiterbetrieb sich als Marktakteure behaupten, neue Marktsegmente erschließen und Innovationen, etwa im Bereich der Sektorenkopplung, anschieben können. Auch die Vermarktung des Stroms an regionale Großabnehmer kann eine wichtige Rolle spielen, wenn hier wie auch bei der Sektorenkopplung Hemmnisse beseitigt werden.

Birte Kempe-Samsami

Ansprechpartnerin

Birte Kempe-Samsami

Fachreferentin Politik

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