Onshore

Onshore

Die Windenergie an Land, auch Onshore-­Windenergie genannt, ist die treibende Kraft der Energiewende. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sie sich aus der Nische heraus zur heute führenden Erneuerbaren Energie entwickelt. Mit einem Strommixanteil von etwa 13 Prozent macht sie heute fast die Hälfte des gesamten Erneuerbaren Stroms in Deutschland aus. Ende des Jahres 2016 produzierten in Deutschland 27.270 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 45.911 Megawatt sauberen Strom für Unternehmen und Haushalte.

Neben der Anzahl der Windräder ist vor allem auch die Leistungsfähigkeit der einzelnen Anlage in den vergangenen beiden Dekaden massiv gestiegen. Waren in den Neunzigerjahren Anlagen mit einer Leistung von 600 Kilowatt Standard, liegen die Spitzenanlagen von heute bei 7,5 Megawatt. Hinzu kommt eine Steigerung der Volllaststunden und damit eine erhöhte Produktion von Windstrom je Anlage. Eine moderne Windenergieanlage versorgt durchschnittlich 2.000 bis 3.500 Haushalte mit sauberem Strom.

Die Leistungsfähigkeit der Windenergie an Land wird jedoch nicht nur über die Masse des eingespeisten Stroms, sondern insbesondere auch über die Kosten deutlich. Sie ist unter den Erneuerbaren Energien die kostengünstigste. Die durchschnittliche EEG-Vergütung für Onshore-Windstrom liegt bei unter 9 Cent je Kilowattstunde. Das bedeutet in der Konsequenz: Obwohl die Windenergie an Land fast die Hälfte des in Deutschland produzierten Erneuerbaren Stroms ausmacht, liegt auf der Kostenseite der Anteil der Windenergie an der EEG-Umlage nur bei etwa 20 Prozent.

Gegenwärtig stehen die meisten Windenergieanlagen in den nord- und mitteldeutschen Bundesländern. Die Spitzenreiter sind dabei Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Technologische Entwicklungen sorgen jedoch dafür, dass auch Standorte mit schwächeren Windverhältnissen für die Windenergienutzung immer attraktiver werden.

Windenergie an Land ist ein Jobmotor für den Industriestandort Deutschland. Im Jahr 2014 arbeiteten allein hier rund 149.200 Menschen. Eine Aufschlüsselung der Arbeitsplätze nach Bundesländern hat ergeben: Windenergie sorgt überall in Deutschland für Beschäftigung und Wertschöpfung.

Regionale Wirtschaftsimpulse –  Gewinn für alle

Gute regenerative Projekte lassen alle Seiten profitieren: Betreiber der Anlagen, beteiligte Gemeinden, die Planer und die beteiligten Bürger. Beim Bau und Betrieb der Windenergieanlagen entstehen Arbeitsplätze. Im Falle von Bürgerwindparks gehen Aufträge für Wegebau, Fundamente oder Service-Dienstleistungen häufig an regional ansässige Firmen. Landwirtschaftliche Betriebe verschaffen sich ein weiteres wirtschaftliches Standbein nach dem Motto „vom Landwirt zum Energiewirt“, und Gewerbesteuern fließen in die kommunalen Kassen. Zudem bleiben Pachteinnahmen zu einem großen Teil in den Regionen und stärken die Kaufkraft vor Ort.

Auch nutzen ganze Gemeinden, die ihre Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare Energien umgestellt haben, ihr Engagement als Tourismus-Magnet für Besucher aus aller Welt. Das Bio-Energiedorf Jühnde in Niedersachsen, Dardesheim – die Stadt der Erneuerbaren Energien im Harz – oder auch die Energielandschaft Morbach im pfälzischen Hunsrück sind Paradebeispiele, wie gerade kleinere, ländliche Gemeinden Erneuerbare Energien mit Gewinn nutzen können.

Bürgerbeteiligungen –  Windparks in regionaler Hand

Ob Privatpersonen, Gewerbebetriebe oder Energieversorger, Genossenschaften oder Gesellschaftsformen wie die GmbH – die Betreiberstruktur deutscher Windparks ist vielfältig. Als besonders erfolgreich hat sich bisher das Modell der Bürgerbeteiligungen erwiesen.

Windparkprojekte sind durch verhältnismäßig hohe Anfangsinvestitionen gekennzeichnet. Für Einzelpersonen sind sie daher nur relativ schwer umzusetzen. Das Engagement vieler Akteure vor Ort und der Zusammenschluss von finanziellen Mitteln, Know-how und Zeit ermöglichen es jedoch, dass gemeinschaftlich Ideen verwirklicht werden können. Frei nach dem Motto: „Gemeinsam mehr erreichen“. Die Menschen in den Kommunen können mit Gemeinschaftsprojekten die Erneuerbaren Energien in ihrer Region stärken und lokal Klimaschutzziele voranbringen.

Bürgerwindparks werden idealerweise in enger Zusammenarbeit zwischen den Initiatoren (oftmals Personen aus der Region), den beteiligten Gemeinden und der anwohnenden Bevölkerung verwirklicht. Niedrige Mindestbeteiligungssummen für Anwohner, deren bevorzugte Berücksichtigung bei der Zuteilung von Kommanditanteilen sowie ausgeklügelte Pachtzahlungs- und Ausschüttungsmodelle sorgen für hohe regionale Teilhabe und Akzeptanz. Beispielsweise können auch Eigentümer von Grundstücken, die nicht selbst Standort der Anlagen sind, aber in deren Nähe liegen oder für Zuwegungen oder Kabeltrassen benötigt werden, Pachtzahlungen erhalten. So profitieren die Bürger auch finanziell vom sauberen Ertrag „ihres“ Windparks. Den Gemeinden bieten diese Windparks zusätzliche Einnahmequellen durch Gewerbesteuern – und damit neuen finanziellen Spielraum.

In Norddeutschland sind von Bürgern initiierte Windparks in manchen Landstrichen die Regel, so zum Beispiel in Nordfriesland, dem nördlichsten Landkreis Deutschlands. Mitte der Neunzigerjahre wurden hier die ersten Windparks mit Bürgerbeteiligung errichtet. Die Initiatoren begannen mit der Suche nach geeigneten Flächen für die Bürger-Projekte und gaben verschiedene Gutachten in Auftrag. Die Standorte sollten möglichst geringe Auswirkungen durch Schall und Schattenwurf aufweisen. In der Konsequenz trug dies dazu bei, dass die Akzeptanz für die Windparks vor Ort erheblich verbessert werden konnte. Heute sind in Nordfriesland 90 Prozent der Windparks als Bürgerbeteiligungen organisiert – unter ihnen zum Beispiel auch die Bürgerwindparks in Ellhöft (50 Kommanditisten) und Galmsbüll (170 Kommanditisten). Das Modell der Bürgerbeteiligung kann insgesamt zu erhöhter Identifikation mit der kommunalen Energiepolitik führen. Bürger können sich aktiv einbringen und einen regionalen Beitrag zur dezentralen Energieerzeugung und zum Klimaschutz leisten.

Akzeptanz

Die große Mehrheit der Bevölkerung steht der Windenergie positiv gegenüber. Umfragen führender Meinungsforschungsinstitute belegen einen breiten Zuspruch für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Ginge es nach dem Wunsch der Bevölkerung, würde die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte vor allem von Sonne und Wind gesichert. Eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien aus dem Jahr 2016 zeigt die hohe Zustimmung der Bevölkerung: Hiernach finden 93 Prozent der Bundesbürger den verstärkten Ausbau regenerativer Energien wichtig bis außerordentlich wichtig.

Wichtige Gründe sind neben der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas die positiven Auswirkungen auf Umwelt und Klimaschutz, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie langfristig sinkende Energiepreise. Auch mit Sicht auf kommende Generationen erweisen sich die Erneuerbaren Energien zukunftsfähiger als konventionelle Energieträger.

Die Windenergie ist, hinter Solarenergie, die zweitbeliebteste Energieform. Jeder zweite Deutsche findet eine Anlage in der Nähe gut oder sehr gut. Dieser Wert liegt zudem bei denjenigen Befragten höher, die bereits in der Nähe einer Windenergieanlage wohnen. In dieser Gruppe befürworten 69% eine Windenergieanlage in der Nähe.

Dennoch gibt es, wie bei zahlreichen Infrastrukturprojekten, durchaus auch Konflikte und Widerstände beim Bau neuer Windparks. Der BWE empfiehlt daher, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über das geplante Vorhaben zu informieren, um Bedenken abzubauen und die Vorteile der Windenergienutzung darlegen zu können. Für viele Windenergieprojekte ist dies bereits gelebte Praxis. Vorhaben werden umfassend kommuniziert, Anwohner und Kommunen wirtschaftlich beteiligt sowie der Eingriff in Natur und Landschaft durch adäquate Ausgleichsmaßnahmen entschädigt.

Tags: Akzeptanz, Netze, Onshore



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Quelle: www.wind-energie.de/themen/onshore