Offshore

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Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist das zentrale Instrument zum Erreichen dieses Ziels. Aus Branchensicht kann 2020 schon jede zweite Kilowattstunde in Deutschland aus Erneuerbarem Strom bestehen.

Starke und stetig wehende Winde auf hoher See machen die Offshore- Windenergie interessant. Die Energieausbeute liegt aufgrund höherer Volllaststunden schätzungsweise um 40 Prozent höher als an Land. Aus diesem Grund können  Offshore-Windparks in den kommenden Jahren einen stetig wachsenden Beitrag zur Energieversorgung leisten. Nach Schätzungen der European Wind Energy Association (EWEA) können in Europa bis 2020 bis zu 40 Gigawatt (GW) und im Jahr 2030 150 GW Offshore-Leistung installiert sein. In Deutschland läuft die erste Ausbaustufe mit Hochdruck, sie wird bis Ende 2015 etwa 3 Gigawatt ans Netz gebracht haben. Die gegenwärtigen Pläne der Bundesregierung  sehen  etwa 6,5 GW bis 2020 und 15 GW bis 2030 vor. Der Ausbau der Anlagen und des Netzes auf See muss dabei künftig synchron verlaufen.

Rahmenbedingungen durch das EEG 2014
Nach EEG 2014 beträgt die Anfangsvergütung für Windenergieanlagen auf See 15,4 Cent je Kilowattstunde und wird in den ersten zwölf Jahren ab Inbetriebnahme gezahlt. Die Grundvergütung liegt anschließend bei 3,9 Cent pro Kilowattstunde. Die im Basismodell vorgesehene Degression beträgt 0,5 Cent je Kilowattstunde ab dem 1. Januar 2018 und 1 Cent je Kilowattstunde ab dem 1. Januar 2020 sowie 0,5 Cent nach jedem weiteren Jahr. Optional können Betreiber von Offshore-Anlagen, die vor dem 1. Januar 2020 ans Netz gehen, eine erhöhte Anfangsvergütung von 19,4 Cent pro Kilowattstunde in den ersten acht Jahren ab Inbetriebnahme erhalten (Stauchungsmodell). Die Absenkung der Vergütung im Stauchungsmodell beträgt 1 Cent je Kilowattstunde zum 1. Januar 2018.

Hightech in Nord- und Ostsee

Der deutsche Rückstand in der Offshore-Windenergie erklärt sich aus den besonderen Bedingungen. Aus Naturschutzgründen (Schutz des Wattenmeers) und um Auswirkungen auf das  Landschaftsbild auszuschließen, sehen die deutschen Offshore-Projekte – im Gegensatz zu skandinavischen und britischen Projekten – Standorte weit vor der Küste in bis zu 40 Metern Wassertiefe vor. Viele geeignete Flächen liegen deshalb in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ), also außerhalb der 12-Seemeilen-Zone. Die technischen Anforderungen (Fundamente, Turmbau, Kabellegung, Logistik und Wartung) sind hierbei um ein Vielfaches höher als beim Bau von Anlagen direkt vor der Küste. Auch der Wartung auf hoher See und der regelmäßigen Zustandsüberwachung kommt durch die konstante Einwirkung von Salzwasser, Stürmen und Gezeiten eine zentrale Bedeutung zu.

Planung und Genehmigung

Nach eingehender Prüfung der Folgen für Ökosysteme, Fischerei, Schifffahrt und Militär hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) über 20 Offshore-Windparks in der Nordsee und drei in der Ostsee genehmigt. Alle liegen außerhalb der 12-Seemeilen-Zone in der so genannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Für Anträge innerhalb der 12-Seemeilen-Zone sind die Anrainerbundesländer zuständig.„Mit Status 31. Dezember 2014 speisten insgesamt 258 OWEA mit einer installierten Gesamtleistung von 1.049,2 MW in das Netz ein. Insgesamt waren Ende 2014 knapp 3,3 GW im Bau, installiert oder bereits in Betrieb.“Zudem laufen über 50 Genehmigungsverfahren für die Nordsee, in denen 5.700 WEA mit 28 GW Gesamtleistung in der AWZ beantragt sind. In der Ostsee sind Verfahren für neun Windfelder anhängig. Planungsstand: 530 WEA mit über 2.300 MW Gesamtleistung. Das Gros der Projekte ist über 30 km von den Küsten entfernt und wird vom Land aus nicht zu sehen sein.

Küstenregionen profitieren

Derzeit bereiten sich nicht weniger als 14 Häfen an Nordsee und Ostsee auf die Anforderungen der Offshore-Windindustrie vor. Sie schaffen Erweiterungsflächen zur Ansiedlung von Anlagen- und Komponentenherstellern, sorgen für die nötige Tragfähigkeit ihrer Verkehrsflächen, um hunderte Tonnen schwere Fundamente und Anlagenkomponenten transportieren zu können oder bauen Schwerlast-Terminals und Anlegestellen für Spezialschiffe der Branche. Daneben beleben die Ausbaupläne Werften und Reedereien. Montageschiffe und -plattformen, Kabelleger sowie Schiffe zum Transport der riesigen WEA und des Personals sind oft noch Mangelware.

Außerdem entstehen schon jetzt Schulungszentren für Mitarbeiter in Service, Wartung und Montage, sowie Leitzentralen, in denen hoch spezialisierte Mitarbeiter den Betrieb der Windparks fernüberwachen. Nicht zuletzt zieht die Branche zahlreiche Dienstleister an: Ob Helikopter-Services, Service- und Wartungsbetriebe, Logistiker oder wissenschaftliche Gutachter, die Planung, Bau und Betrieb der maritimen Windparks begleiten und überwachen.

Die forcierte Entwicklung der deutschen Offshore-Windenergienutzung sorgte bis 2013 für 18.800 Arbeitsplätze in der Branche. Dabei trifft dieser Beschäftigungseffekt aufgrund der stark verteilten Wertschöpfungskette nicht nur den Küstenraum, sondern auch die industriellen Ballungsräume Süd- und Westdeutschlands, wo wichtige Bauteile wie Lager, Getriebe und Generatoren hergestellt werden.

Service und Wartung Offshore

Bei Anlagenausfällen geht Betreibern von Offshore-Windparks wegen der hohen Erträge der Multimegawatt-Anlagen viel Geld verloren. Erst recht, wenn sich die Reparatur witterungsbedingt verzögert. Entsprechend sind zuverlässige Anlagen und ausgefeilte Service- und Wartungskonzepte gefragt. Elektronische Anlagen-Fernüberwachung und redundante Systeme sind Standard, regelmäßige Inspektion und Wartung von Fundamenten, Rotorblättern oder Kabelanschlüssen unabdingbar. Experten schätzen, dass Service und Wartung bis zu ein Viertel der Kosten von Offshore-Windparks ausmachen, während die WEA mit circa einem Drittel zu Buche schlagen.

Zum Vergleich: An Land machen die Kosten der Anlagen zwei Drittel der Gesamtkosten aus, während der Anteil von Service und Wartung im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt. Neben Kosten muss die Offshore-Branche Herausforderungen in der Ersatzteil- und Personallogistik meistern. Gerade bei schwerer See sind Serviceteams durch mehrstündige Anfahrten und schwierige Übergange von Schiff zu WEA hohen Belastungen ausgesetzt. Helikopter-Transfers gehen schneller, sind aber teurer und müssen bei Nebel und starkem Wind oft ganz ausfallen.

Tags: Klimaschutz, Offshore, Regionale Wertschöpfung, Service und Wartung



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Quelle: www.wind-energie.de/themen/offshore