Internationale Windmärkte

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BWE stellt Geschäftsmöglichkeiten in Argentinien vor

Am 13. September stellte der BWE auf der Husum Wind die Abschlussergebnisse des Projektes „Enabling Wind Argentina“ im Rahmen einer Frühstücksveranstaltung, die von BWE-Präsident Hermann Albers zusammen mit dem Geschäftsführer des Erneuerbaren Netzwerks Schleswig-Holstein und dem Argentinischen Generalkonsulat eröffnet wurde, vor.  

In dem vom Auswärtigen Amt geförderten und in Zusammenarbeit mit dem Argentinischen Erneuerbaren- Verband (CADER) und eclareon durchgeführten Projekt wurden die Rahmenbedingungen und Barrieren für den Windenergieausbau in Argentinien untersucht, aktuelle Geschäftsmodelle auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht und abschließend Empfehlungen zum Abbau der Investitionsbarrieren an Politik und Wirtschaft formuliert.

Während Robert Brückmann vom Projektpartner eclareon auf die vergleichsweise hohe Inflationsrate und Kreditzinsen, aber auch auf positive Trends u.a. aufgrund der von der aktuellen Regierung geschaffenen regulatorischen Rahmenbedingungen hinwies, beschrieb Maria Pineiro von ABO Wind die Herausforderungen, die noch im logistischen Bereich und bei der Infrastruktur bestehen.

Von besonderem Interesse waren die Einschätzungen zu den diesjährigen – in den ersten beiden Runden deutlich überzeichneten – Ausschreibungen von Ramiro Gomez Barinaga, der das Argentinische Ministerium für Bergbau und Energie maßgeblich bei der Ausgestaltung des Erneuerbare Energien Förderrahmens beraten hat. Er hob insbesondere die Herausforderung für die Schaffung eines Finanzierungsrahmens hervor, der auch ausländische Investitionen ausreichend absichert. Das Argentinische System basiert auf Ausschreibungen und 20-jährigen Abnahmeverträgen mit Festvergütung. Zahlungsansprüche werden kaskadenartig in zweiter Instanz durch einen staatlichen Fond und ggf. in dritter Instanz zusätzlich durch Weltbankgarantien gedeckt.

Branchenvertreter sind optimistisch hinsichtlich der weiteren Entwicklungen in dem südamerikanischen Land, das aktuell als einer der vielversprechendsten aufkommenden Windenergiemärkte weltweit gilt. Diese Einschätzung teilt auch der internationale Windbranchenverband GWEC, der Anfang September zusammen mit der Deutsch-Argentinischen Außenhandelskammer einen Stakeholder-Workshop in Argentinien veranstaltete.

Die installierte Windleistung in Argentinien betrug zuletzt  279 MW (Ende 2016).  Unter der neuen argentinischen Regierung wurde zu Beginn des Jahres 2016 beschlossen, den Erneuerbaren- Anteil im Gesamtenergiemix von 1,3 % in 2013 auf 8 % in 2018 und 20 % in 2025 zu steigern.

 

Ägypten: Vorsichtig optimistische Aussichten für Windenergieentwicklung 

Am 5. Dezember 2016 fand in Kairo im Rahmen des 8. Ägyptisch-Deutschen Erneuerbaren-Tages eine Konferenz zum Thema „Onshore Windenergie in Ägypten“ statt.Unter anderem hatten  deutsche Windenergiefirmen, die Möglichkeit, sich und ihre Produkte vorzustellen sowie erste Kontakte mit lokalen Akteuren anzubahnen.

Foto: BWE-Referentin Maria Hoeft, Eng Ayman Saad (Leiter Siemens Wind Power Ägypten), Eng Lamya Hady (Direktorin FIT-Plan, EETC)

Die Veranstaltung diente gleichzeitig als Auftaktkonferenz zur AHK-Geschäftsreise Ägypten im Rahmen der Exportinitiative Energie der Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Veranstalter waren die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer und die Renewable Energy Academy (RENAC).

Die Konferenz wurde vom deutschen Botschafter in Kairo sowie einem Stellvertreter des ägyptischen Energieministers eröffnet und erfreute sich großen Interesses seitens ägyptischer Branchenakteure wie auch einheimischer Medien. Vertreter der Nationalen Erneuerbare Energien Agentur (NREA) und des staatlichen Übertragungsunternehmens (EETC) stellten Leuchtturmprojekte und die nationale Strategie für den Windenergieausbau sowie Möglichkeiten unter dem 2015 eingeführten Einspeisetarifsystem vor. Internationale Banken wie die deutsche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gaben Einblicke in ihr Windenergieportfolio. Der BWE berichtete von den Entwicklungen der Windenergie in Deutschland und von den deutschen Erfahrungen bezüglich der Schaffung regulatorischer Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Ausbau der Windenergie und den Aufbau einer Windenergieindustrie.

Bislang wurden in Ägypten primär Projekte in Größenordnungen von 100 bis 200 Megawatt realisiert bzw. im Rahmen staatlicher Ausschreibungen bezuschlagt. Dabei ist entweder NREA direkt Auftraggeber oder es werden direkte Abnahmeverträge mit EETC geschlossen. Im Rahmen des 2015 mit dem Gesetz für die Förderung von privaten Investitionen in EE-Projekten eingeführten Einspeisetarifs bieten sich nun auch weitere Möglichkeiten für kleinere Projekte im Bereich 20-50 Megawatt. In der ersten Phase sind 2000 Megawatt für Windenergieanlagen vorgesehen, die in Abhängigkeit des Standortes einen Einspeisetarif von 9,57 bis 11,48 US-Cent/kWh für die ersten fünf Jahre und 4,6 – 11,48 US-Cent/kWh für die restlichen 15 Jahre erhalten.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass Ägypten sich in einem fortschreitenden Lernprozess befindet, in dem es unter anderem gilt, für belastbare Windenergiemessungen und zuverlässigen Service Sorge zu tragen sowie administrative Prozesse zu verbessern. Fanden insbesondere die Leuchtturmprojekte wiederholt Erwähnung, wie der Windpark Zafarana oder der Siemens-Deal vom Frühjahr 2015, im Zuge dessen sich Siemens zusätzlich zum Bau einer Rotorblattfabrik verpflichtet hat, wurde aus dem Publikum auch auf die Bedeutung dezentraler Erzeugungs- und Versorgungssysteme unter anderem zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete hingewiesen.

Seit dem Arabischen Frühling befindet sich Ägypten in einem Zustand anhaltender politischer Fragilität begleitet von einer angespannten Wirtschaftslage mit hohem Haushaltsdefizit, Versorgungsengpässen und hoher Arbeitslosigkeit. Die auf IWF-Druck vorgenommene Währungsabwertung und die Einführung der geplanten Mehrwertsteuer dürften zudem der Inflation Auftrieb geben und eine zusätzliche Herausforderung darstellen. Gleichzeitig wird der Schritt aber von Wirtschaftsakteuren begrüßt, da hiermit nun dem zuvor florierenden Währungsschwarzmarkt beigekommen und mehr Transparenz über Preise und Preisentwicklungen geschaffen wird.

Trotz der Herausforderungen ist die Regierung bereits seit einigen Jahren beständig bestrebt die Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger zu reduzieren, den EE- Ausbau sowie den Aufbau eines heimischen EE- Sektors und die Liberalisierung des Energiesystems voranzutreiben. Bis zum Jahr 2020 soll der EE- Anteil an der Gesamtenergieproduktion bei 20 Prozent liegen, wovon 12 Prozent aus der Windkraft stammen sollen. Dies bedeutet eine Kapazitätserhöhung auf 7,2 Gigawatt. Aktuell liegt der Windenergieanteil am Gesamtenergieverbrauch bei 0,3 Prozent. Die Einschätzung vor Ort agierender Akteure hinsichtlich der weiteren Entwicklung ist vor dem Hintergrund der aktuellen Gesamtlage des Landes gemischt, aber alles in allem vorsichtig optimistisch. 

Das Konferenzprogramm sowie weiteres Informationsmaterial können in Kürze auf der Webseite der Exportinitiative Energie sowie auf den Webseiten der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer in Kairo und der GTAI abgerufen werden.



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Quelle: www.wind-energie.de/themen/internationales/aktuelles