Norddeutschland kann Taktgeber bei Sektorenkopplung werden

„Die Windenergie steht zukünftig im Mittelpunkt der Energiewirtschaft. Um die breite Struktur der Akteure zu sichern, gilt es die Kraft der vielen kleinen Stromerzeuger besser zu bündeln und innerhalb der Branche mehr Kooperationen auf den Weg zu bringen.

Indem wir den Einsatz der preiswerten Windenergie über den Stromsektor hinaus in Richtung Mobilität, Wärme- und Kältekonzepte sowie in Richtung der Industrie verbreitern, erschließen wir neue Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale. Der Norden kann hierbei den Takt vorgeben“, so Hermann Albers, Präsident Bundesverband WindEnergie, zur Eröffnung der 5. Rostock Wind, dem größten Wind-Branchenforum im Nordosten Deutschlands.

Nach der Verabschiedung des EEG 2017 seien die Akteure der Branche verunsichert. Viele fragten sich, ob mit dem Ausschreibungssystem noch eine faire Marktteilnahme möglich sei. Der BWE-Präsident rief dazu auf, sich genau mit den Übergangkriterien auseinander zu setzen. Wer am 31.12.2016 eine Genehmigung hat, muss optional bis 1.3.2017 entscheiden, ob er in Ausschreibung gehen will. Trifft er die Entscheidung nicht, muss er unter fortgeschriebenem EEG – also unter Einschluss von Sonder- und Zusatzdegression – bauen. In Bezug auf Offshore mahnte Hermann Albers schnelle gesetzliche Korrekturen an. „Bei der in letzter Minute erfolgten Konzentration der ersten zwei Ausschreibungsrunden auf die Ostsee wurden gesetzliche Folgeänderungen vergessen. Dadurch werden preiswerte und weitentwickelte Projekte von der Ausschreibung ausgeschlossen und der Wettbewerb beschränkt. Das muss der Bund noch im Herbst korrigieren!“

In den Debatten zur Akzeptanz sieht der BWE-Präsident einen klassischen Stadt-Land-Konflikt. „Während die Menschen in den Städten durchweg für die Energiewende sind, macht der ländliche Raum sie überhaupt erst möglich. Deshalb brauchen wir endlich ein Signal an die Bevölkerung im ländlichen Raum, dass die Menschen hier selbst etwas konkret Messbares von der Energiewende haben. Es braucht eine Option den preiswerten Windstrom direkt an die lokale Bevölkerung abzugeben. Die Stromproduktion aus Windenergieanlagen lässt sich sehr präzise vorhersagen. Im Rahmen virtueller Kraftwerke oder der Kombination mit effizienten Kraftwerken der Stadtwerke ist die Versorgungssicherheit darstellbar. Für sinnvolle regionale Lösungen fehlt es an einem gesetzlichen Rahmen. Hätten wir diesen, könnten die Strompreise in Regionen mit vielen Windenergieanlagen kräftig sinken. Hier wünsche ich mir eine aktive Begleitung der Politik.“

Große Chancen sieht Hermann Albers durch die engere Verknüpfung von  Strom, Mobilität, Wärme und Industrie. „Mecklenburg-Vorpommern ist dank einer guten Gasnetzinfrastruktur und bereits vorhandener Gasspeicher hier in einer hervorragenden Ausgangsposition. Die preiswerte Windenergie an Land wird der Motor bei der Sektorenkopplung sein. Indem der Norden seine Chancen nutzt, wird er in diesen Zukunftsfeldern das Tempo bestimmen“, zeigte sich Hermann Albers sicher.

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