Markteinbruch um zwei Drittel - Grund für den Stellenabbau ist in den politischen Rahmenbedingungen zu suchen, nicht in der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen

Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) sieht die deutsche Energiepolitik als Grund für den aktuellen Stellenabbau in der deutschen Windenergiebranche.

Die deutsche Windenergiebranche kämpft. Nachdem bereits im vergangenen Jahr verschiedene Unternehmen aus der Branche unpopuläre Maßnahmen zum Beschäftigtenabbau treffen mussten, setzt sich dieser Trend auch im Sommer 2018 fort. Hauptsächlich betroffen sind neben den Herstellern von Windenergieanlagen auch Zulieferunternehmen. Im Bereich der Zulieferer wurden bereits tausende Stellen abgebaut. Mit Blick auf den Beschäftigtenabbau hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier von einem „Stück Marktwirtschaft“ gesprochen, „mit dem sich die Marktteilnehmer auseinandersetzen müssen“. Der Bundesverband WindEnergie (BWE) widerspricht dieser Darstellung und verweist auf die Verantwortung politischer Entscheidungen für die aktuelle Situation.

„Die fast schon gleichgültige Reaktion des Bundeswirtschaftsministers offenbart eine Kurzatmigkeit und fehlende Vision der deutschen Energiepolitik. Die Energiewende ist eingeleitet und sie ist in vielerlei Hinsicht eine Erfolgsgeschichte. Heute tragen die Erneuerbaren mit knapp 40 Prozent zur deutschen Gesamtstromproduktion bei. Noch ist die Energiewende aber nicht abgeschlossen. Vielmehr wird sie Deutschland noch über Jahrzehnte begleiten und mitgestalten. Die Bundesregierung spricht einerseits von der Erreichung ambitionierter Ausbau- und Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2050, andererseits legt sie im Hier und Jetzt genau den Unternehmen Steine in den Weg, die die Erreichung dieser Ziele ermöglichen sollen. Durch die starke Ausbaukürzung ist die Bundesregierung für den aktuellen Stellenabbau mitverantwortlich“, kommentierte Hermann Albers, Präsident Bundesverband WindEnergie. 

Das im EEG 2017 eingeführte Ausschreibungsverfahren hatte unter anderem eine Deckelung des Zubaus auf jährlich 2.800 MW bzw. 2.900 MW festgeschrieben. Zusätzlich hat eine gesetzliche Fehldefinition rund um Bürgerenergiegesellschaften zu großer Ungewissheit im Markt geführt. Die Folgen der Ausschreibungen werden nun sichtbar. Im Jahr 2017 lag der Zubau noch bei 5.300 MW. Für 2018 wird das Zubauvolumen auf voraussichtlich 3.500 MW zurückgehen. Für 2019 und 2020 rechnet der BWE mit einem jährlichen Zubauvolumen von maximal 2.000 MW. Das bedeutet einen Rückgang auf nur noch ein Drittel des Marktvolumens von 2017.

„Auch in der Windenergiebranche sind Entlassungen das letzte Mittel. Klar ist aber: Kein Industriezweig in Deutschland kann einen politisch verursachten Markteinbruch um fast zwei Drittel abfedern, ohne Entlassungen auszusprechen. In anderen Branchen führen bereits Auftragsrückgänge im einstelligen Bereich zu Krisenstimmung. Wir haben immer wieder vor der drohenden Ausbaudelle gewarnt. Leider wurden unsere Warnungen nicht gehört. Mit Blick auf die weltweit dynamisch wachsenden Zukunftsmärkte für Green-Tech ist es umso bedauernswerter, dass unsere Unternehmen technisches Know-how zu verlieren drohen“, ordnete Albers das veränderte Marktvolumen ein.

„Damit dieses Know-how der Branche nicht langfristig verloren geht, muss die Bundesregierung ihre internen Streitigkeiten endlich überwinden und die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag schnellstmöglich umsetzen. Neben den Sonderausschreibungen brauchen wir ein verlässliches Zeit- und Mengenkonzept für den weiteren Ausbau bis 2030. Nur so können die Unternehmen unserer Branche angesichts von Planungszeiträumen von 3-5 Jahren pro Windenergieanlage wieder in eine tragfähige Kosten-, Zuliefer- und Personalplanung einsteigen. Der Fadenriss beim Zubau für 2019 ist kaum noch aufzuhalten. Für 2020 kann durch rasches politisches Handeln Schlimmeres noch verhindert werden. Das wäre vor dem Hintergrund der sehr erfolgreichen Positionierung unserer Unternehmen in einem dynamisch wachsenden Weltmarkt für Windenergietechnologie im Interesse Deutschlands“, so Albers.

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