Tillich und Woidke haben den Schuss aus Stockholm nicht gehört

15. Oktober 2014

Tillich und Woidke haben den Schuss aus Stockholm nicht gehört

Brandenburg und Sachsen wollen sich weiter wegbaggern: Windbranche kritisiert Braunkohle-Irrweg. Kaum gibt es Signale aus Stockholm, Vattenfall neu auszurichten, müssen sich Sachsens und Brandenburgs Ministerpräsidenten schon in Stellung bringen und die vermeintlich vielen Braunkohle-Arbeitsplätze in ihren Bundesländern beschützen. 

In einem gemeinsamen Pressestatement weisen sie auf die angeblich „existenzielle Bedeutung“ der Braunkohleverstromung für die Oberlausitz hin und pochen auf die netzstabilisierende Bedeutung der hochmodernen Braunkohlekraftwerke Boxberg und Lippendorf. Gleichzeitig kündigen sie Verhandlungen mit Schwedens neuer Regierung an.

Sachsens Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie (BWE Sachsen) Prof. Martin Maslaton fehlen erst einmal die Worte, aber dennoch: „Gratulation, man will verhandeln. Immerhin! Dennoch haben die Ministerpräsidenten Tillich und Woidke offensichtlich den Schuss nicht gehört. Die Braunkohleverstromung pulvert Abertausende von Tonnen an Kohlendioxid in die Luft, baggert Quadratkilometer um Quadratkilometer Kulturlandschaft weg, frisst Millionen an versteckten Subventionen und hat schon mittelfristig ökonomisch keinen Sinn mehr! Aber davon wollen die Herren Tillich und Woidke wie schon Vorgänger Platzeck ja schon seit Jahren nichts wissen.

“

Nicht nur dass das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) bereits 2012 in einer Studie angesichts des europäischen Energiemarktes und des Wachstums der Erneuerbaren Energien in Deutschland zusätzliche Tagebaue für überflüssig hält, nein, auch eine jüngste Untersuchung lässt fossile Energieträger in keinem besonders günstigen Licht erscheinen. Das Beratungsunternehmen Ecofys hatte im Auftrag von EU-Kommissar Günther Oettinger die Kosten der Energieerzeugung ohne staatliche Eingriffe errechnet. “Die Studie hat sich leider nicht mit der Braunkohle aufgrund zu unsicherer Datenlage befasst, was allein schon Bände spricht, dennoch zeigen die Ergebnisse zu den externen Kosten der Nutzung fossiler Energieträger, wie irrsinnig die ungebremste Kohleverfeuerung zur Energiegewinnung ist”, so Prof. Maslaton. Die externen Kosten, also die Kosten von Umwelt- und Gesundheitsschäden, beziffert Ecofys für alle EU-Staaten auf 150 bis 310 Milliarden Euro im Jahr 2012. Deutschland führt die Negativrangliste mit 42 Mrd. Euro an. Hauptgrund ist der immer noch viel zu hohe Anteil der Kohle, in diesem Fall der Steinkohle, an der Energieerzeugung. Darauf entfallen 45 Prozent der Schäden. Die Kohle hat Folgekosten von bis zu 140 Euro je MWh, Erdgas kommt auf 60 Euro. Atomkraft und Sonnenenergie liegen bei 20 Euro je MWh, Biomasse schlägt mit 25 Euro zu Buche. Windkraft hat laut Ecofys faktisch keine Folgekosten.

„Gerade das Windenergieland Brandenburg, an dem sich Sachsen auf diesem Gebiet ein Beispiel nehmen sollte, kann doch nicht ernsthaft an der Braunkohle festhalten wollen. Welch ein Irrsinn. In Sachsen das gleiche Spiel: Weiter so, statt sich endlich ernsthaft mit einem Ausstiegsfahrplan zu beschäftigen. Die Verhandlungen mit Stockholm und Vattenfall bieten die Chance dafür. Die Windenergie und alle anderen Erneuerbaren Energien stehen jedenfalls bereit, in Kombination mit Gaskraftwerken, umfassendem Netzausbau und Speicherbau die Braunkohle langfristig zu ersetzen. Die Ministerpräsidenten Woidke und Tillich verweisen ja richtigerweise selbst auf die CO2-Einsparziele Deutschlands. Der Wechsel hin zu einer CO2-freien Energiewirtschaft kann aber viel schneller gehen, als die Regierungschefs denken. Verzichtet man auf neue Tagebaue, bekommt diese Entwicklung zusätzlich an Fahrt. Sachsens Windenergiebranche hat hierbei noch viel Potential und Sachsen noch viel Platz für weitere Windräder“, bekräftigt Energierechtsexperte und BWE-Landesvorsitzender Prof. Maslaton abschließend.

Rückfragen:
Prof. Dr. Martin Maslaton, Tel.: 0341 / 14 95 00, Mail: martin@maslaton.de
Edwin Seifert (MEDIENKONTOR), Tel. 0351 / 31 60 515

Tags zum Artikel: Bundesländer, fossile Energieträger, Windenergie



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Quelle: www.wind-energie.de/presse/meldungen/2014/tillich-und-woidke-haben-den-schuss-aus-stockholm-nicht-gehoert