Windenergie in Sachsen 2011: Mühsames Mini-Wachstum

12. März 2012

Windenergie in Sachsen 2011: Mühsames Mini-Wachstum

BWE-Landesvorsitzender Prof. Maslaton zieht Bilanz und fordert mehr Flächen für Windräder sowie die Öffnung der Industriegebiete. Die Windenergie hat es im braunkohledominierten Sachsen nicht leicht. Immer noch wird 80 Prozent der sächsischen Stromproduktion durch die Braunkohleverfeuerung gedeckt.

Dennoch wuchs der Windmarkt 2011 auch in Sachsen weiter, wenn auch in gewohnt kleinen Schritten. So sind im vergangenen Jahr in Sachsen lediglich 15 neue Windenergieanlagen (WEA) mit einer Gesamtleistung von 26,45 MW ans Netz gegangen. Im Jahr 2010 waren es noch 27 neue WEA. Nach Zahlen von Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schlegel vom BWE kommt damit Sachsen heute auf 847 Windräder mit einer installierten Leistung von 989 MW. Zum Vergleich: Im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein stehen allein schon über 800 Windräder. Der unermüdliche Chronist der Entwicklung der erneuerbaren Energien in Sachsen prognostiziert für das vergangene Jahr einen Stromertrag durch die sächsischen WEA von rund 1.700 GWh, nach etwa 1.400 GWh 2010. Das entspricht einem Windstromanteil von mageren 7,2 Prozent in Sachsen. Mehr Flächen für Windräder sind also dringend erforderlich, will man mit der Energiewende in Sachsen vorankommen.

„Das Windjahr 2011 war für die WEA-Betreiber dennoch ein gutes Jahr. Ließ die Windflaute im November noch Schlimmstes befürchten, so retteten die Stürme im Dezember die Bilanz. Das bis dato schlechteste Windjahr 2010 ist damit vergessen. Abgesehen davon bleibt aber das Wachstum der Stromerzeugung aus Windkraft in Sachsen ein mühsames Geschäft, wie man an den kümmerlichen 15 neuen Windrädern sieht“, betont Prof. Martin Maslaton, Landesvorsitzender beim Bundesverband Windenergie (BWE) in Sachsen.

Erstmals seit zwei Jahren haben mindestens sieben WEA in Sachsen die 6.000 MWh-Schwelle überschritten. „Die beste WEA steht im Windpark bei Kittlitz nahe Löbau und erreichte im vergangenen Jahr 6.786.481 KWh, was einer Anzahl von 3.519 Volllaststunden entspricht“, berichtet Dipl.-Ing. Hans Jürgen Schlegel. „Alle diese hocheffizienten WEA sind 2-MW-Maschinen mit einer Nabenhöhe zwischen 95 und 138 Metern.“

Diese Zahlen sprechen aus Sicht aller Energieexperten deutlich für Repowering, doch der vielbeschworene Ersatz von alten, niedrigeren Anlagen durch wenige hohe Windräder mit größerer Leistung findet in Sachsen so gut wie nicht statt. 2011 wurde überhaupt nicht „repowert“. 2010 gab es lediglich ein Repowering-Projekt. Im Windpark Wittgendorfer Feld bei Zittau wurden fünf WEA mit jeweils 500 kW Leistung durch drei WEA mit 2 MW ersetzt.

„Die Zurückhaltung beim Repowering ist leicht zu erklären“, berichtet Prof. Maslaton, der auch Recht der erneuerbaren Energien an der TU Chemnitz und Umweltrecht an der TU Bergakademie Freiberg lehrt. „Meist ist nicht sicher, ob man im gleichen Gebiet wieder Windräder errichten kann, da die Mehrzahl der alten WEA außerhalb der Vorrang- und Eignungsgebiete liegt. Das trifft allein im Freistaat Sachsen auf 150 bestehende Altanlagen zu.“

Ob sich die Lage der Windenergie in Sachsen verbessert, bleibt abzuwarten. Nach dem Energie- und Klimaprogramm der Landesregierung soll in den nächsten zehn Jahren die Stromproduktion aus Windenergie auf 3.500 GWh pro Jahr gesteigert werden. „In diesem Frühjahr wird sich zeigen, ob die Landesregierung hier wirklich ernst macht und das Energieprogramm beschließt. Zusätzliche Flächen für Windräder sind angesichts der Energiewende mehr als überfällig, schließlich sind die bisherigen Windenergieflächen in Sachsen bereits ausgelastet. Die regionalen Planungsverbände müssen neue Flächen ausweisen und zwar schnell“, bekräftigt der BWE-Landesvorsitzende. „Wie wäre es denn einmal mit all den Gewerbe- und Industriegebieten als Standorte für Windräder? Sachsen kann aber auch (endlich) einen Vorstoß für die energieintensive Industrie machen: Zur Zeit wird die Änderung der Baunutzungsverordnung (BauNVO) diskutiert. Ein Öffnen der Industrie- und Gewerbegebiete für Windenergieanlagen, deren Strom unmittelbar am (Industrie-) Standort genutzt wird, ist dringend nötig. So § 14 BauNVO zu ändern, wäre für alle Beteiligten nicht zuletzt für das Klima ein Segen.

Rückfragen:
Prof. Dr. Martin Maslaton, Tel.: 0341 / 14 95 00, Mail: martin@maslaton.de
Stephan Trutschler (MEDIENKONTOR), Tel. 0177 / 31 60 515

Tags zum Artikel: Bundesländer, Genehmigung, Repowering



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Quelle: www.wind-energie.de/infocenter/meldungen/2012/windenergie-sachsen-2011-muehsames-mini-wachstum