
Auf dem Meer weht der Wind stärker und stetiger, liegt die Energieausbeute von Windenergie-Anlagen schätzungsweise um 40 Prozent höher als an Land. Deshalb können so genannte Offshore-Windparks in den kommenden Jahren einen erheblichen Beitrag zur Energieversorgung leisten.
Offshore Start in Deutschland 2009 – aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen
Deutschland ist – im Gegensatz zur Entwicklung bei der Onshore-Windenergie – im Bereich Offshore immer noch unterentwickelt. Gründe für die Verzögerung im Ausbau liegen einerseits an mangelnden Erfahrungen mit Windparks in großer Entfernung von der Küste (30-100 km) und in großen Wassertiefen (20-40 Meter). Dies ist - aus Gründen des Naturschutzes - Vorbedingung für den Ausbau in Deutschland und damit im europäischen Vergleich eine deutliche Herausforderung. Die Kosten für Türme, deren Verankerung, aber auch für die Netzanbindung sowie Kosten für Service und Wartung liegen dadurch im Vergleich mit anderen Länden von Anfang an deutlich höher.
Seit dem 1.1.2009 trägt nun auch die Vergütungsregelung diesen Fakten Rechnung: mit dem jetzt in Kraft getretenen Erneuerbaren Energien Gesetz 2009 wurde die Vergütung für Offshore Windenergie für die ersten zwölf Jahre auf 15 ct/kWh neu festgesetzt (vorher: 9,1 ct/kWh). Damit sind stabile Rahmenbedingungen seitens der Politik gesetzt.
Eine weitere politische Vorgabe, die grundsätzlich begrüßt wurde, führte in der Folge aber zu Verzögerungen: seit 2007 sind die Netzbetreiber verpflichtet, die Kosten für den Netzanschluss unmittelbar bis zum Windpark zu übernehmen. Dies reduziert auf Seiten der Projektbetreiber zwar die Kosten, die Netzanbindung gestaltet sich aber tendenziell deutlich langwieriger: mit dem Bau des Anschlusses wird erst begonnen, wenn sich auch das Projekt in einem weit fortgeschrittenem Stadium befindet. Zusätzlich sollen Projekte möglichst nicht einzeln, sondern in Clustern angebunden werden, was weitere Wartezeiten mit sich bringt. Die deutsche Bundesnetzagentur besteht derzeit bei der Kostengenehmigung auf dem billigsten, und nicht auf dem effizientesten und schnellsten Netzanschluss. Hier wiederholen sich die Probleme auch anderer europäischer Offshore-Märkte (Beispiel UK).
Derzeit wird auch im Bereich der Planung eine Neuregelung vorbereitet: eine „Verordnung über die Raumordnung in der AWZ“ (Außenwirtschaftszone) auf See soll noch in 2009 verabschiedet werden. Im Vorfeld gab es große Vorbehalte aus Sicht der Windbranche gegenüber den Vorschlägen, weil durch die Planungen die Offshore-Ziele der Bundesregierung keineswegs umfassend dargestellt wurden. Zudem waren Vorranggebiete in begrenztem Umfang mit Ausschlusswirkung für die Windenergie vorgesehen, welche bestehende Planungen gefährdet und den weiteren Ausbau eingeschränkt hätten. Aktuell scheint eine positive Einigung mit dem zuständigen Ministerium zumindest in Sicht.
Erster deutscher Windpark in der Nordsee

- alpha ventus, Pressebild
Die ersten Offshoreanlagen Deutschlands werden zurzeit vor den ostfriesischen Inseln circa 45 km vor Borkum auf dem Testfeld Alpa Ventus errichtet. Die Investitionssumme für dieses Pionierprojekt beträgt 250 Millionen Euro. Im Rahmen des Konjunkturprogramms II erhalten die Investoren Bundesbürgschaften bis zu 200 Millionen Euro. Die Strommenge, die Alpha Ventus künftig jährlich produzieren wird, entspricht dem Verbrauch von 50.000 Haushalten. Bereits im September 2008 wurde das Umspannwerk erfolgreich im Alpha Ventus Baufeld errichtet und per Seekabel mit dem Stromnetz verbunden. Im Juli 2009 wurde die erste Anlage mit einer Nennleistung von 5 MW errichtet, nachdem die Arbeiten im Jahr 2008 aufgrund schlechter Wetterverhältnisse abgebrochen werden mussten. Bis Ende 2009 sollen alle Anlagen am Netz sein.
Mit dem Pilotprojekt werden grundlegende Erfahrungen mit Bau und Betrieb eines Offshore-Windparks in großer Wassertiefe gesammelt. Im Testfeld Alpha Ventus kommen insgesamt zwölf Windenergieanlagen der 5-Megawatt-Klasse zum Einsatz: sechs Anlagen des Typs Areva Multibrid M5000 sowie sechs Anlagen der REpower 5M. Darüber hinaus werden für die Windenergieanlagen zwei Arten von Stahlfundamenten eingesetzt. Während die Areva Multibrid-Anlagen auf so genannten Tripods stehen, werden für die REpower-Anlagen Jacket-Fundamente errichtet.
Zum ersten Mal werden solche Anlagen küstenfern in 30 Meter Wassertiefe verankert und betrieben. Die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse werden in Konstruktion, Bau und Betrieb zukünftiger Offshore-Anlagen einfließen.

Das Potenzial
Die Bundesregierung geht in ihrer Offshore-Strategie davon aus, dass bis zum Jahr 2030 25.000 Megawatt Windkraftleistung im Meer realisiert werden können. Zusammen mit den Windparks an Land könnten dann 25% des Stroms in Deutschland allein durch Windkraft entstehen. Für ganz Europa hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag der EU-Kommission das Offshore-Wind-Gesamtpotenzial auf ca. 140.000 MW geschätzt.
Damit ist klar, dass Offshore-WEA einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Klimapolitik und zu einer nachhaltigen Energieversorgung der Bundesrepublik und Europa leisten können. Die in Deutschland für Offshore-Windkraft in Frage kommenden Flächen liegen überwiegend in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ) vergleichsweise weit von der Küste entfernt. Einerseits ist dies eine Folge von Naturschutzinteressen entlang der Küste, z.B. des Nationalparks Wattenmeer. Andererseits wird das Meer bereits intensiv genutzt durch Schifffahrt, Fischerei und Marine. Nicht zuletzt berücksichtigen Projektplaner touristische Interessen und planen daher in der Regel mehr als 30 Kilometer vor der Küste. In diesen Meeresbereichen muss mit einer Wassertiefe von mehr als 25 Metern gerechnet werden. In der AWZ sind bereits mehr als 30 Windparks beantragt
Der Markt
Ein gigantischer Markt für Windenergie liegt auch vor Deutschlands Küsten. In Nord- und Ostsee werden bis 2030 Windparks mit 25.000 MW Leistung installiert. Ihre Stromproduktion würde dann mehr als 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken. Auf dem Meer weht der Wind häufiger und stärker als an Land. Die Energieerträge sind daher auf See höher. Doch weil der Bau einer Offshore-Anlage ebenso wie seine Netzanbindung kompliziert ist und hohe Anfangsinvestitionen erfordert, rentieren sich nur Windparks mit einer installierten Leistung von über 100 MW. Die Investoren eines Windparks brauchen daher Arbeitskräfte, Windturbinen, Stahl, Beton, Kabel, Transport und Logistik im Wert von mehreren hundert Millionen Euro.
Die Offshore-Projekte würden den deutschen Küsten also einen enormen Wachstumsschub bringen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 45 Milliarden Euro. Aber in Deutschland können von der Planung bis zur Stromproduktion gut und gerne zehn Jahre vergehen: Pro Offshore-Park müssen bis zu zwölf verschiedene Behörden ihre Genehmigung geben und das dauert. Frühestens 2009 sollen sich daher erst die Offshore-Rotoren vor deutschen Küsten drehen. Anders als Deutschland haben Großbritannien und Dänemark schon Offshore-Projekte von über 600 MW Leistung realisiert. Die dänische Regierung will bis 2030 sogar rund 35 Prozent des dänischen Strombedarfs über Windkraftanlagen decken. Heute sind es bereits 20 Prozent.
Offshore Windenergie und Naturschutz
Um die gigantischen Ressourcen auf dem Meer für eine umweltverträgliche Energiegewinnung zu erschließen wurde ein umfangreiches Forschungs- und Monitoring-Programm aufgelegt. Aspekte des Schutzes der Meeresumwelt sind das Ziel zahlreicher Untersuchungen, weltweit.
Die dänischen Offshore Windparks von Horns Rev und Nysted werden durch ein "Environmental Monitoring Program" begleitet. Erste Berichte liegen bereits vor und die Ergebnisse stimmen positiv, dass der viel zitierte Konflikt zwischen Windkraftanlagen auf dem Meer und dem Naturschutz nur gering ist und durch den Beitrag der Windenergie zum Naturschutz wieder übertroffen wird.
Aktuelle Studien aus Schweden zum Einfluss der Offshoreanlagen auf den Vogelzug bestätigen, dass die Vögel sich sehr gut auf die neue Situation einstellen können. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Untersuchungen mit Schweinswahlen und Delphinen. Die größte Belastung tritt hier während der Bauphase auf. Doch erholen sich die Meeressäuger sehr schnell wieder von der vorübergehenden Störung.
Die Untersuchungen sind aber noch längst nicht abgeschlossen. Das deutsche Umweltministerium finanziert ein Programm zur ökologischen Begleitforschung der Offshore Windenergie-Nutzung. Darüber hinaus sind Untersuchungen Bestandteil der Genehmigungsauflagen durch das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH). Alle beantragten Offshore Windparks führen Studien durch. Niemand will, dass der Beitrag der Windenergie zum Naturschutz durch einen Konflikt mit dem Meeresschutz geschmälert wird.
