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Windenergie auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit

Die Windenergietechnik hat in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Positive Rahmenbedingungen wie etwa staatliche Forschungs-, Entwicklungs- und Fördermaßnahmen oder günstige Finanzierungsmöglichkeiten, beschleunigten in den 90er Jahren die technologische Entwicklung. Die Festlegung auf ein Mindestpreissystem bei der Vergütung von Windstrom mit dem Stromeinspeisungsgesetz (1991 – 2000) und dem Erneuerbare Energien Gesetz (ab April 2000) sorgte für Planungssicherheit und einen effektiven und effizienten Ausbau der Windenergie.

2005 konnte die Windenergie bereits fünf Prozent des Bruttostromverbrauchs decken. Betrug die installierte Leistung im Jahr 2000 etwa 7.000 Megawatt, so waren es Ende 2005 bereits rund 18.500 MW. Die rasche technologische Entwicklung bescherte den deutschen Herstellern und Zulieferern die Führungsrolle auf dem Weltmarkt für Windkraftanlagen. Nach Berechnungen des Deutschen Windenergieinstituts kommen weltweit über 50 Prozent aller Windkraftanlagen und ihrer Bau-teile aus Deutschland. Der Export der Windkraft-Technologie macht etwa 60 Prozent des rund fünf Milliarden Euro schweren Gesamtumsatzes der deutschen Hersteller aus und sichert damit den Großteil der rund 64.000 Arbeitsplätze der Branche.

Die Preise für Windenergieanlagen und für die Produk-tion von Windstrom sind gleichzeitig wegen der Ferti--gung größerer Stückzahlen, optimierter Produktionsverfahren und effizienterer Anlagentechnik deutlich gesunken. Bereits heute sind die Produktionskosten für Strom aus Windenergie mit denen neuer konventioneller Kraftwerke vergleichbar. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass spätestens 2015 Windstrom auch an der Strombörse billiger zu haben ist als Strom aus herkömmlicher Erzeugung.

Windkraftanlagen werden immer günstiger

Belief sich der Preis einer Anlage inklusive Anlieferung und Montage 1990 noch auf 1.260 Euro pro Kilowatt installierter Leistung, so sank der Anlagenpreis bis 2004 auf 890 Euro pro Kilowatt, also um über 29 Prozent (Preise inflationsbereinigt auf das Preisniveau von 1994). Eine Windkraftanlage mit einem Megawatt – also 1.000 Kilowatt – Leistung kostet dementsprechend 890.000 Euro. Dabei ist die Technologie neuerer Anlagen ausgereifter, Turbinen und Rotorblätter arbeiten effizienter.

Definition:
Der Jahresenergieertrag ist hier gleich dem Ertrag am Referenzstandort gemäß EEG. Am Referenzstandort herrscht im 30 Meter Höhe eine mittlere Jahreswindgeschwindigkeit von 5,5 m/s. Eine 1,5 MW Anlage erzeugt bei einer Turmhöhe von 100 Metern am Referenzstandort etwa 4,5 Mio. kWh pro Jahr, genug für 2.000 Haushalte.

1990 drehten sich in Deutschland lediglich Kleinanlagen mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt. Ende 2005 hingegen waren bereits 18.500 Megawatt installiert und die größten Windräder brachten es schon auf eine Nennleistung von bis zu sechs Megawatt. Zum Vergleich: Ein Atom- oder Braunkohlekraftwerk hat eine Nennleistung von etwa 1.000 Megawatt.

Je größer eine Anlage, desto teurer ist sie in der Anschaffung. Doch Windenergieanlagen mit großer Nabenhöhe und großem Rotordurchmesser sind wirtschaftlicher. Das heißt, dass die erzeugte Kilowattstunde Strom billiger wird, je größer die Windkraftanlage und je besser ihre Technologie ist. Vergleicht man nun die Jahreskosten des Stromertrags von 1990 mit denen von 2004, so beträgt der Kostenrückgang 53 Prozent, von 0,80 auf 0,38 Euro pro Kilowattstunde. Zwischen 1990 und 2004 ging also der Preis für Windkraftanlagen um 29 Prozent zurück, für die Produktion einer Kilowattstunde Windstrom sogar um 53 Prozent.

Stetig sinkende Einspeisevergütung für Windstrom

In Deutschland wird seit 1991 Strom aus Windenergie mit staatlich festgesetzten Mindestpreisen vergütet. Im April 2000 wurde das seit 1991 geltende Strom-einspeisungsgesetz (StrEG) durch das „Erneuerbare Energien Gesetz – (EEG)“ abgelöst. Der Bundestag novellierte dieses wiederum zum 1. August 2004 durch das „Gesetz zur Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren Energien im Strombereich“, siehe Kasten rechts.  

Die Grafik "Entwicklung der Einspeisevergütung für Strom aus Windenergie" zeigt den realen Rückgang der Einspeisevergütungen seit 1991 um rund 23 Prozent. Basisjahr der Berechnung ist 2000. Neben den jährlich wechselnden Vergütungen des StrEG gewährte der Bund im Rahmen des „250 MW Wind“-Programms für ausgewählte Projekte jährliche Betriebskostenzuschüsse. Die Länder gaben zudem Investitionskostenzuschüsse. So konnte man Anfang der 90er Jahre oftmals Förderprogramme von Bund und Land kombinieren. 1991 betrug so die Gesamtvergütung für eine Kilowattstunde Windstrom maximal 18,31 Cent. Bei einer heutigen mittleren Vergütung von 7,44 ct/kWh ergibt sich bis 2006 dann sogar eine Senkung des Mindestpreises um über 59 Prozent.

 

Erläuterung:
Die Erzeugung von Windstrom wird nach dem EEG
über 20 Jahre mit einem Festpreis vergütet.
Für Windenergieanlagen, die im Jahr 2006 in Betrieb gehen, ist zunächst eine Anfangsvergütung von 8,36 ct/kWh für einen Mindestzeitraum von fünf Jahren festgeschrieben. Je nach Standortqualität wird die Einspeisevergütung anschließend auf einen Wert von 5,28 ct/kWh abgesenkt. An sehr ertragsstarken Standorten erfolgt die Absenkung nach Ablauf des fünften Betriebsjahres, bei den anderen Standorten wird die Zahlung des erhöhten Vergütungssatzes verlängert. Je nach Standortqualität ergibt sich somit, über 20 Jahre betrachtet, eine durchschnittliche Einspeisevergütung zwischen 8,36 und 6,05 ct/kWh.
Gemäß EEG sinken die Mindestvergütungen jährlich für neu in Betrieb genommene Anlagen um nominal 2,0 Prozent. Also eine Anlage, die im Jahr 2007 in Betrieb geht, hat eine Anfangsvergütung von 8,19 ct/kWh und eine Basisvergütung von 5,17 ct/kWh. Besondere Regelungen sieht das EEG für „Repowering-Anlagen“ und Offshore-Windkraft vor. Keine Vergütungspflicht besteht für Windkraftanlagen, die nicht mindestens 60 Prozent des Referenzertrages am geplanten Standort erreichen.

 

Windenergie hat die niedrigsten Stromgestehungskosten

Die Stromgestehungskosten enthalten die gesamten Kosten der Stromerzeugung eines neuen Kraftwerks über eine bestimmte Laufzeit, also Investitionen, Rohstoffe, Betrieb und zumindest einen Teil der externen Kosten. Die Stromerzeugungskosten einer Windenergieanlage mit 2.000 Kilowatt Leistung betragen über 20 Jahre an einem durchschnittlichen Standort 6,4 ct/kWh, an der Küste, wo beste Windverhältnisse herrschen, sogar nur 4,5 ct/kWh.

Kurve 1 in der Abbildung "Gestehungskosten für Strom aus Windenergie im Vergleich" zeigt die Stromgestehungskosten marktüblicher Windenergieanlagen mit 1,5 bis 2 Megawatt über 20 Jahre, Kurve 2 zeigt eine Variante mit etwas günstigeren Annahmen bezüglich Investitionsnebenkosten und Finanzierungsbedingungen. Je besser der Standort, desto niedriger die Kosten der Stromproduktion. Jedoch können auch Standorte mit schlechteren Windverhältnissen, die also unter 100 Prozent des Referenzertrags liegen, mit Kosten der konventionellen Stromerzeugung mithalten. Im Vergleich ist die Windenergie bereits heute eine günstige Stromquelle. Hier die mittleren Stromerzeugungskosten konventioneller Kraftwerke über eine Betriebsdauer von 20 Jahren.

Technologischer Fortschritt senkt Kosten

Energieertrag und Stromgestehungskosten hängen auch von Nabenhöhe und Rotordurchmesser ab. Je höher, desto mehr Wind. Und je größer der Rotor, desto mehr Wind wird eingefangen. Bei einer Standardinvestition entstehen für eine Anlage mit 1.000 Kilowatt Nennleistung bei einem Jahresenergieertrag von 100 Prozent des Referenzertrages Stromgestehungs-kosten in Höhe von ca. 6,9 ct/kWh. Dieser Wert liegt unter der durchschnittlichen Einspeisevergütung, die über 20 Jahre nach EEG am Referenz-Standort zu erwarten ist (ca. 7,9 ct/kWh). Eine Anlage mit 2.000 Kilowatt auf einem 30 Meter höheren Turm kommt bereits auf Stromgestehungskosten von nur mehr 6,4 ct/kWh. So kann also modernste Technik beim Neubau von Windparks oder beim Ersatz alter Anlagen die Kosten der Stromproduktion erheblich senken.

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Literatur:

  • ISET Windenergie Report Deutschland 2005 (6MB), Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET), Kassel 2005.
  • EU-Kommission: The Support of electricity from renewable energy sources, Brüssel 12/2005.
  • Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, Zentrum für Energieforschung Stuttgart (ZES), Stuttgart 2004.


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