BWE stellt Positionspapier vor

14. März 2013

BWE stellt Positionspapier vor

Berlin – Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) lehnt die Vorschläge zur angeblichen Kostendämpfung im Strombereich der Bundesregierung ab. Diese führten zu keiner nennenswerten Kosteneinsparung, brächten aber den Windenergie-Ausbau zum Erliegen, so BWE-Vizepräsident Andreas Jesse

„Die Bundesregierung gefährdet mit ihren geplanten Änderungen am Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Milliarden-Investitionen und rund 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Bereits jetzt sind Investoren stark verunsichert. Der Ausbau der Windenergie ist bereits völlig ins Stocken gekommen.“ 2012 wurden noch Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von rund 2.500 Megawatt (MW) in Deutschland zugebaut – also Investitionen in Höhe von rund drei Milliarden Euro, was ein Vielfaches davon an Wertschöpfung für die deutsche Volkswirtschaft bedeutet. Jesse: „Der Bundesumweltminister gefährdet eine ganze Branche aufgrund nicht nachvollziehbarer und intransparenter Berechnungen.“

Andreas Eichler, Vice President Sales Germany des Weltmarktführers für Windenergieanlagen Vestas und Sprecher des Hersteller- und Zuliefererbeirats des BWE: „Die Windenergie ist die günstigste erneuerbare Energiequelle und belastet den Stromverbraucher über das EEG kaum. Die Vorschläge der Bundesregierung machen jedoch einen weiteren Ausbau der Windenergie in den meisten Teilen Deutschlands unrentabel. Gefährdet wären damit Arbeitsplätze, Investitionen, Einnahmen aus Gewerbe-, Körperschafts- und Einkommensteuer und die Energiewende an sich: Denn wer die Windenergie als Zugpferd der Energiewende blockiert, sabotiert die günstigste Form der Ökostrom-Erzeugung. Das polit-taktische Vorhaben des Bundesumweltministers einer ’Strompreisbremse‘ offenbart sich als gefährlicher Querschläger für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Denn eines ist sicher: Von Altmaiers Kürzungen bei der Windenergie an Land wird auf der Stromrechnung nichts zu sehen sein.“

Klaus Meier von wpd, einer der größten Windpark-Projektierer weltweit: „Der BWE sieht kaum mehr Möglichkeiten, die Kosten bei der Windenergie weiter zu begrenzen. Die Effizienz-Spielräume sind weitgehend ausgeschöpft. Falls die Bundesregierung von ihrem Vorhaben einer überstürzten EEG-Änderung tatsächlich nicht ablassen will, hat der BWE Vorschläge entwickelt, die der Windenergie-Industrie zumindest ein Überleben ermöglichen. Diese Vorschläge führen ebenfalls zu dem von Altmaier bei der Wind-Onshore-Vergütung vorgesehenen Einsparvolumen von 60 bis 70 Millionen Euro pro Jahr – allerdings ohne dabei den Ausbau komplett zu stoppen.“

Unter anderem schlägt der BWE vor,

  • das bisher zweistufige EEG-Vergütungsmodell durch ein einstufiges zu ersetzen. Windreiche Standorte würden durch das neue Modell eine geringere Vergütung pro erzeugte Kilowattstunde erhalten. Dieses Modell würde mehr Transparenz zur Güte einzelner Standorte schaffen und die Zahlungen aus dem EEG senken. Allerdings müsste eine detaillierte Eingruppierung der unterschiedlichen Standort-Güteklassen erfolgen, damit in Nord- und Süddeutschland ein weiterer Ausbau der Windenergie erfolgen kann – Einsparvolumen 30-40 Mio. Euro pro Jahr je nach Ausgestaltung und Verteilung des Ausbaus;
  • dass ab 1.7.2014 auf den EEG-Bonus für Systemdienstleistungen durch Windkraftanlagen verzichtet werden kann. Windenergieanlagen müssen seit einigen Jahren diverse zusätzliche Dienstleistungen für das Energiesystem sicherstellen. Die technischen Mehrkosten sollen von den Betreibern zukünftig selbst getragen werden - Einsparvolumen 30 Mio. Euro pro Jahr.

Die BWE-Vorschläge im Einzelnen

Klaus Meier von wpd: „Der BWE will die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Energiewende bewahren. Die interne Diskussion zwischen den Mitgliedern des BWE hat nun belastbare Vorschläge ergeben – praxisferne Schnellschüsse aus den Ministerien gefährden hingegen die Energiewende und sollen lediglich der Profilierung im beginnenden Wahlkampf dienen. Windenergie hat weiterhin große Ausbaupotenziale. Es ist die mit Abstand günstigste Form der relevant zubaubaren Erneuerbaren und der allergrößte Teil der Wertschöpfung bleibt in Deutschland.“

Andreas Eichler, Vestas: „Statt punktueller EEG-Änderungen muss nach dem Wahlkampf dringend ein neues Marktdesign entworfen werden. Auch eine neue Berechnungsmethode der EEG-Umlage ist überfällig: Die EEG-Umlage ist seit Jahren keine passende Kenngröße mehr, um die Förderung der Erneuerbaren Energien zu bewerten. Das steigende Angebot von Öko-Strom hat den Großhandelspreis für Strom in den letzten Jahren deutlich gesenkt (Merit-Order-Effekt). Dadurch steigen aber auch rechnerisch die Differenzkosten (EEG-Tarif minus Börsenpreis) und somit die EEG-Umlage, was zu einer Fehlbewertung führt. Diese Preissenkung im Großhandel wird zudem nicht an die Verbraucher weitergegeben. Die Politik stochert daher bei der realen EEG-Kostenentwicklung im Nebel herum.“

BWE-Vize Jesse: „Der BWE fordert die Bundesregierung eindringlich auf, das EEG erst nach den Bundestagswahlen zu reformieren, um wahlkampfbedingte Schnellschüsse zu vermeiden, die der Wachstumsbranche der Erneuerbaren Energien weiteren Schaden zufügen könnten.“

Hintergrundinformationen:
Studie des FÖS zu den Berechnungen des Bundesumweltministeriums

Tags: Energiepolitik, Energiewende, Erneuerbare Energien, Windenergie



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Quelle: www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/2013/bwe-stellt-positionspapier-vor