Kinderuni auf Föhr stieß auf großes Interesse

08. August 2014

Kinderuni auf Föhr stieß auf großes Interesse

Simonsberg. Wo kommt eigentlich der grüne Strom her?  Rund 35 Kinder und noch einmal ebenso viele Erwachsene machten sich am Mittwoch, dem 6.08.2014 auf Föhr auf den Weg zum Oevenumer Deich. Doch nicht Baden stand auf dem Programm - was bei strahlendem Wetter und Wassertemperaturen bis zu 20 Grad leicht möglich gewesen wäre-  sondern lernen. Ganz freiwillig und in den Ferien!

Besichtigung von Windenergieanlagen im Rahmen der Kinderuni auf Föhr

Gemeinsam mit der Föhrer Inseltouristik hatte der Windmüller Hauke Brodersen die Idee, das Programm der Kinderuni Föhr auch um eine Exkursion zum Windpark zu erweitern und den Kindern direkt an den Windenergieanlagen zu erklären, wie man aus Wind sauberen Strom macht.
Mit einer solch großen Resonanz hat aber auch er nicht gerechnet. „Das freut mich ja, dass so viele gekommen sind“, strahlte Brodersen dann auch. „Ich mache das heute zum ersten Mal. Bitte sehen sie mir nach, wenn noch nicht alles perfekt läuft“

Und tatsächlich lief nicht alles auf Anhieb perfekt. Es waren nämlich die Eltern, die den Kleinen zuerst die Show stahlen. Kaum am Turm der ersten Mühle angekommen, wurde Hauke Brodersen auch schon gelöchert mit Fragen zu Einspeisevergütungen, detaillierten Leistungsdaten oder der Zusammensetzung des Strompreises. Insbesondere die Vermarktungsfragen interessierten dann die Erwachsenen. Das Unternehmen Föhrer Windkraft mit Firmensitz in Oevenum bietet Ökostrom nicht nur für die Föhrer, sondern auch auf der Nachbarinsel Amrum und in Dagebüll an. 500 Stromkunden hat der Familienbetrieb schon.

So guckten die Kinder auch erst erstaunt: sollte das doch eine Veranstaltung für sie sein. Doch mit der Frage, warum eine Mühle drei Flügel hat und nicht zwei oder vier (wegen der Unwucht) kamen dann auch wieder die Kinder zu Wort und stellten allerhand Fragen,  auf die auch ihre Eltern nicht so schnell eine Antwort parat hatten und Hauke Brodersen dann einspringen konnte. Noch relativ einfach zu beantworten waren die Fragen, wie schnell sich die Flügel drehen (rund 40 Mal pro Minute), wie lange es dauert, so eine Mühle aufzubauen (ca. zwei Tage) und ob sich der Kopf auch mit dreht, wenn sich die Windrichtung ändert (ja).

Interessant war für die Kleinen und die Großen gleichermaßen, wie viele Haushalte die zehn Anlagen mit Strom versorgen (rund 1.500), wie tief das Fundament in den Boden reicht (rund 15 Meter) und aus wie vielen Einzelteilen die Mühlen bestehen (sieben).

Schwieriger wurde es bei der Frage, wo der Strom bleibt, wenn die Mühle abgeschaltet ist. Und bei der Frage, wie lange sich eine Mühle drehen muss, damit man „Die Sendung mit der Maus“ im Fernsehen sehen kann, musste auch Windmüller Brodersen passen.

Bis zur nächsten Kinderuni ist Brodersen dann aber auch darauf gefasst. Diese soll in den nächsten Sommerferien wieder stattfinden. „Nächstes Mal sind wir klüger. Dann werden wir auch rigoros die Eltern von den Kindern trennen und zwei Veranstaltungen machen. Eine für die Großen und eine für die Kleinen. Dann haben alle etwas davon.“

Ob die nächste Veranstaltung wieder an den zehn Vestas-Anlagen stattfindet, ist noch nicht sicher. Diese Kinderuni fand eher in einem Wind-Museum statt. Die fünf Vestas V 25 mit 200 kW und die fünf Vestas V 27 mit 225 kW sind 24 Jahre alt und stehen auf einem 30 Meter Turm.

Den Wunsch zum Repowern hegt Windmüller Brodersen schon seit acht bis neun Jahren, aber immer kam etwas dazwischen. Sollten alle Genehmigungen vorliegen, kann es aber im nächsten Jahr losgehen. Dann stehen am Oevenumer Deich nur noch drei Anlagen mit jeweils 2,3 Megawatt statt zehn Anlagen mit insgesamt 2,1 Megawatt. Obwohl die Gesamthöhe bis zur Flügelspitze auch dann 100 Meter nicht überschreiten darf, soll sich die eingespeiste Leistung vervierfachen. Was die Leistungsfähigkeit angeht werden die Gäste der nächsten Kinderuni also noch mehr staunen: Der Rotordurchmesser der neuen Anlagen beträgt dann 70 Meter. Dort kann sich dann ein Airbus 380 rund 1,3 Mal hinter den Rotoren verstecken, so groß soll die Spannweite werden. Und dann wirkt bei starkem Wind auch eine enorme Kraft von rund 100 Tonnen pro Sekunde auf die Flügel. Das können die Kinder dann selber in griffige Beispiele umrechnen, zum Beispiel in das Gewicht von 100 Kleinwagen.

Windenergie auch für Touristen erlebbar machen ist auch eine Empfehlung des Bundesverbandes Windenergie in Schleswig-Holstein. Das erhöht die Akzeptanz. „Die Gäste fühlen sich auf der Insel durch die Windenergieanlagen hier überhaupt nicht gestört.“, sagte Brodersen dann auch. „Ich wurde bisher von den Leuten nur positiv angesprochen“.  Auch ein Gast meinte: „Hier stören die Anlagen doch niemanden. Wenn nicht hier, wo sollen die denn dann stehen?“

Das deckt sich mit den Ergebnissen der jüngst vom BWE und einer Projektgemeinschaft veröffentlichten Tourismusstudie*. Demnach fühlen sich im Urlaubsland Schleswig-Holstein 94 Prozent der Gäste überhaupt nicht von Windenergieanlagen gestört. Und nur ein Prozent der Gäste würde laut der repräsentativen Untersuchung wegen der Windenergieanagen dort keinen Urlaub mehr machen wollen. Vielmehr überwiegt die Symbolwirkung der Windenergieanlagen: Sie stehen auch bei den Gästen für sauberen und atommüllfreien Strom.

„Auf jeden Fall übertragbar“ war auch das Resümee von Nicole Knudsen, Leiterin des BWE Landesbüros in Schleswig-Holstein. „Nicht nur aus touristischer Sicht. Ich freue mich schon darauf, wenn eine „echte“ Uni in der vorlesungsfreien Zeit ihre Türen öffnet und ein „echter“ Professor kindgerecht Vorlesungen zum Thema Windenergie hält“.

Die Tourismusinformation Föhr war Träger der Veranstaltungen und bietet noch den ganzen Sommer über zahlreiche Expeditionen und spannende Vorträgen aus der Welt der Naturwissenschaften.

* Einflussanalyse Erneuerbare Energien und Tourismus in Schleswig-Holstein, 07/2014; Kurzfassung abrufbar im Landesbüro SH

Kontakt:
Bundesverband WindEnergie e.V.
Landesbüro Schleswig-Holstein
Nicole Knudsen              
Querweg 4, 25813 Simonsberg
Telefon: 04841 66 32 10
E-Mail: sh@bwe-regional.de

Tags zum Artikel: Akzeptanz, Ausbildung, Bundesländer, Veranstaltung, Verband, Windenergie



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Quelle: www.wind-energie.de/presse/meldungen/2014/kinderuni-auf-foehr-stiess-auf-grosses-interesse