Akzeptanz kommt aus Nordfriesland

10. Oktober 2014

Akzeptanz kommt aus Nordfriesland

Simonsberg. Windenergieanlagen genießen an der Westküste eine große Akzeptanz. Das liegt zum einen an dem hohen Anteil Bürgerenergieprojekten. Das liegt zum anderen auch daran, dass die Bevölkerung nachts nicht von blinkenden Windmühlen gestört wird. Zu niedrig sind die Anlagen, um nachts durch rote Hindernisbefeuerung für Flugsicherheit sorgen zu müssen.

Parasol Radarsystem, entwickelt auf dem Dirkshof in Nordfriesland, © Andreas Birresborn

Eine Untersuchung der Deutschen Windguard hat ergeben, dass in Schleswig-Holstein mit einer durchschnittlichen Nabenhöhe von 84 Metern bundesweit die niedrigsten Türme stehen. Im Land Bayern zum Beispiel sind es gut 50 Meter mehr.Der Nachteil der niedrigen Türme liegt in der nicht optimalen Effizienz. Höhere Windenergieanlagen haben eine höhere Windausbeute und können so gleichmäßiger und mehr Strom produzieren.

Durch eine Innovation des Pioniers und Windmüllers Dirk Ketelsen aus dem Sönke-Nissen-Koog könnten die Schleswig-Holsteiner nun auch von diesem Effizienzgewinn profitieren, ohne auf eine dunkle Nacht verzichten zu müssen. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR wurde ein sogenanntes Passiv-Radar-System entwickelt. Damit ist gewährleistet, dass die Windenergieanlagen nur noch blinken, wenn sich tatsächlich ein Flugkörper nähert.

„Ich bin sicher, dass dieses System dafür sorgen kann, in der Bevölkerung die Akzeptanz für höhere Windmühlen zu verbessern“, so Nicole Knudsen, Leiterin des Bundesverbandes Windenergie in Schleswig-Holstein. „Bei diesem Passiv-Radar gibt es keine zusätzlichen Emissionen, es nutzt bereits vorhandene Fernseh-und Mobilfunk-Wellen von DVB-T, DAB plus oder LTE“.

Der engagierte Windmüller Ketelsen  hat inzwischen die einjährige Pilotphase erfolgreich abgeschlossen und will im kommenden Jahr durchstarten – er wartet nur noch auf eine entsprechende Gesetzesänderung. Doch schon jetzt ist mit Hilfe von Einzelgenehmigungen eine Ausstattung bestehender Windparks mit dieser neuen Technologie möglich. In der Regel reichen drei Sensoren pro Windpark aus, um die Echos der möglichen Flugobjekte zu orten, die nachts über den Luftraum der blinkenden Windparks fliegen „Alle reden von der Weiterentwicklung der Windenergie im Rahmen der Energiewende, wir fangen schon mal an“, so Ketelsen.

Die Rückendeckung aus dem Energiewendeministerium hat er schon mal. Von der Funktion und der Leistungsfähigkeit der Sensoren überzeugten sich Tobias Goldschmidt, Leiter der Stabstelle Energiepolitik, und Nicole Knudsen, Leiterin des BWE Landesbüros. 

„Innovationen, die helfen, Störungen zu verringern und Anwohner zu entlasten, sind enorm wichtig. Gut, dass in Schleswig-Holstein so ein zupackender Erfindergeist herrscht. Energiewende funktioniert nur, wenn die Bevölkerung mitmacht. Bedarfsgerechte Befeuerung ist ein ganz entscheidender Schritt, dass auch in Schleswig-Holstein die Energiewende ein Mitmachprojekt bleibt und anderswo hoffentlich zu einem solchen wird“, so Goldschmidt.

Kontakt:
Bundesverband WindEnergie e.V.
Landesbüro Schleswig-Holstein, Nicole Knudsen       
Querweg 4, 25813 Simonsberg
Telefon: 04841 66 32 10
sh@bwe-regional.de

Tags zum Artikel: Akzeptanz, Bundesländer, Radar, Windenergie



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Quelle: www.wind-energie.de/presse/meldungen/2014/akzeptanz-kommt-aus-nordfriesland