9. Windenergie- und Entwicklungsdialog in Berlin zeigt Diskussionsbedarf beim Thema Ausschreibungen auf

15. Oktober 2014

9. Windenergie- und Entwicklungsdialog in Berlin zeigt Diskussionsbedarf beim Thema Ausschreibungen auf

Auch in diesem Jahr organisierte der BWE wieder den Windenergie- und Entwicklungsdialog (WEED) zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA Power Systems). Am 9. Oktober trafen sich internationale Vertreter aus Politik und Wirtschaft zum Austausch über das Thema "Ausschreibungsmodelle für Windenergie: Erfahrungen und Lessons Learned für Entwicklungs- und Schwellenländer" in Berlin.

Gastredner Steve Sawyer, CEO des Global Wind Energy Council (GWEC), hob Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen bestehenden Auktionsmodellen hervor und ließ in der anschließenden Podiumsdiskussion sein Unverständnis über die Umstellung des erfolgreichen deutschen Fördersystems erkennen. Das erfolgreichste Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien weltweit würde künftig durch ein System ersetzt, das seiner Einschätzung nach keine Verbesserung mit sich brächte – entgegen der Meinung des Wirtschaftsministeriums. Die Bedingungen, die seinerzeit zu der teuren Photovoltaik-Blase führten, seien in den nächsten Jahren nicht mehr zu befürchten, Ausschreibungen zur Preis- und Ausbauregulierung daher kein notwendiges Mittel, so Sawyer. Das sei, als würde man „das Stalltor verriegeln, nachdem das Pferd gestohlen wurde”.

Für Toby D. Couture, Gründer und Leiter der Beratungsagentur E3Analytics, steht fest: Der Vorteil von Ausschreibungen könne sein, dass der vermeintliche Lobbyeinfluss auf die Preisbildung minimal gehalten würde. Die ausschreibende Behörde müsse dafür jedoch transparent arbeiten und breit aufgestellt sein. Mit Blick auf Ausschreibungssysteme im Ausland sei der Nachteil eindeutig die Reduzierung der Akteursvielfalt. Insbesondere die Einbindung der örtlichen Akteure sei seiner Erfahrung nach nur selten gegeben. Zudem riskiere ein allein auf den Preis ausgerichtetes Ausschreibungssystem geographische Konzentrationseffekte, so Couture weiter.

Zum Fachaustausch steuerten Jens-Peter Molly (DEWI) und Malte Meyer (Vestas Central Europe) ihre Erfahrungen aus dem Land Brasilien bei. Die weiteren Schwerpunktländer Südafrika und Marokko bedienten Sören David (GIZ Südafrika), Matthias Hahn (Siemens Wind Power) und Taoufik Laabi (Office National de L'Electricité et de L'Eau Potable) mit ihren Vorträgen. Unterm Strich waren sich die Vortragenden einig, dass ein Ausschreibungssystem flexibel auf die Gegebenheiten des jeweiligen Landes angepasst werden muss. Man darf jedoch skeptisch sein, ob die Bundesregierung mit ihrem Kurs die selbstgesteckten Ziele erreichen dürfte. Der BWE wird sich aktiv in die Ausgestaltung des neuen Fördersystems einbringen.

Die Vorträge zur Veranstaltung finden Sie unter: wind.vdma.org/article/-/articleview/5698572

 

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Quelle: www.wind-energie.de/presse/meldungen/2014/9-windenergie-und-entwicklungsdialog-berlin-zeigt-diskussionsbedarf-beim-thema