3. Hessischer Windbranchentag in Frankfurt

31. Juli 2014

3. Hessischer Windbranchentag in Frankfurt

Unter dem Titel „Windkraft in Hessen und im Bund. Energiewende am Ende?“ lud der BWE-Regionalverband Südhessen zum 3. hessischen Windbranchentag in die Bankenmetropole am Main ein, um gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die zukünftigen Herausforderungen der erst kürzlich im Bundesrat verabschiedeten EEG-Novelle zu diskutieren.

Dr. Simone Peter, Michael Häußer und Prof. Dr. Martina Klärle auf dem 3. Hessischen Windbrachentag

Ähnlich den Äußerungen von Herrn Dr. Brans, Vertreter des hessischen Wirtschaftsministerium,  konnte auch BWE-Vizepräsident Klaus Schulze Langenhorst von einer Investitions- und Planungsunsicherheit innerhalb der gesamten Windbranche durch die Neuregelungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes berichten. Dennoch war es dem BWE-Präsidiumsmitglied ein Anliegen ebenfalls auf die Erfolge zu verweisen, die der Bundesverband im Zuge der Debatte für sich verzeichnen kann. Insbesondere der Diskurs um die Höhe der Vergütungen bei Windenergie an Land wurde vom Verband intensiv geführt.

Als Ergebnis konnte eine verbesserte Anpassung der Förderhöhen gegenüber den ersten Gesetzesentwürfen und somit den tatsächlichen Stromgestehungskosten der Windenergie erzielt werden. Hierdurch wird der Ausbau, trotz starker Einschnitte, zumindest in den nächsten Jahren an den meisten Standorten sichergestellt. Laut Schulze Langenhorst wird es nun entscheidend sein, sich als Bundesverband, bei dem bereits angekündigten Systemwechsel hin zu Ausschreibungen, in den nächsten Monaten entsprechend einzubringen und mitzuarbeiten. Hierzu hat der BWE eine Studie beim Institut für Zukunfts-Energie-Systeme (IZES) auf den Weg gebracht, die belegt: „unterschiedliche Praxisbeispiele aus dem Ausland stellen unter Beweis, dass Ausschreibungen nicht der richtige Weg sind“, so der Vizepräsident. Allerdings dürfe sich die Branche auch nichts vormachen. „Die Weichen sind in Richtung Ausschreibung gestellt und sofern unsere Argumente nicht fruchten, müssen wir uns zumindest so einbringen, dass die schlimmsten Auswirkungen der Ausschreibungen vermieden werden und unsere bisherige Akteursvielfalt samt Bürgerbeteiligung gewahrt bleibt.“

Gastgeber und BWE-Regionalverbandsvorsitzender Michael Häußer nahm sein Statement vor den fast 200 Gästen noch einmal zum Anlass um auf die gestiegenen finanziellen Risiken bei der Projektierung von Windenergieprojekten im Süden Deutschlands zu verweisen. 8,9 ct/kWh, samt eingepreister Direktvermarktungskosten, seien längst nicht genug, um auch an windschwächeren Standorten in Hessen zu projektieren.

Dabei sind die Zeichen aus der hessischen Landesregierung grundsätzlich positiv, konnte BWE-Landesvorstand Joachim Wierlemann berichten. Die seit Januar neu im Amt befindliche Landesregierung hat ein klares Bekenntnis für die Windenergie im Land und zu dem Ziel 100% Erneuerbare ausgesprochen. Wirtschaftsminister Tarek al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) bekräftigte hierzu erst kürzlich, die Windenergie stehe im  Mittelpunkt der landeseigenen Energiestrategie. Hierzu bleibe die Landesregierung bei ihrem Wort auch weiterhin 2% der Landesfläche als Windeignungsgebiete auszuschreiben. Damit nimmt Hessen deutschlandweit eine proaktive Rolle bei der Förderung der Windenergie ein.

Dieses Engagement stellte auch noch einmal al-Wazirs Parteikollegin und Grünenchefin Simone Peter in ihrem Beitrag positiv heraus. „Der Knoten in Hessen ist geplatzt.“, so die Politikerin. Hessen stehe exemplarisch, für die immense Bedeutung der Binnenländer für das Erreichen der Ziele der Energiewende und einer dezentralen Energieversorgung. Grünenchefin Peter betonte die anstehenden Herausforderungen und verwies auf die anhaltende Ungerechtigkeit zwischen Erneuerbaren und Konventionellen Energien. Nach ihrer Ansicht ist eine nationale Kompensation des  gescheiterten internationalen Zertifikatehandels zwingend erforderlich. Damit unterstützt die Bundespolitikerin einen wesentlichen Gedanken des Wissenschaftlers, Prof. Leprich, der in seinem Vortrag über die entscheidenden Wege zur Systemtransformation berichtete. Das von Leprich entwickelte und bereits umfassend diskutierte Modell der „Fluktuierenden Erneuerbaren Energien“ als Kern des zukünftigen Strommarktdesigns, stieß auch in Frankfurt wieder auf viele interessierte Zuhörer.

In der anschließenden Podiumsdiskussion bekräftigte der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Zukunfts-Energie-Systeme (IZES) darüber hinaus die Notwendigkeit der effektiven Grünstromvermarktung. Das aktuelle EEG schreibt grundsätzlich die Möglichkeit aus durch eine Verordnungsermächtigung die Grünstromeigenschaft von Ökostrom am Markt hervorzuheben-. Dennoch schreibt eine solche Verordnung keine Automatisierung vor, dieses auch zwingend in einem Gesetz zu verankern. Ideen hierfür müssen erst noch entwickelt und umgesetzt werden. Hier sieht der Wissenschaftler neben der Bundesregierung, die Branche und stellvertretend den BWE in der Pflicht, sich dieser Aufgabe proaktiv anzunehmen.

Dominiert wurde die Podiumsdiskussion zudem von einem weiteren Punkt. Simon Schäfer-Stradowsky, Geschäftsführer des Institut für Klimaforschung, Mobilität und Energie (IKEM), wusste von neuen Herausforderungen für Bürgerwindenergieprojekte durch die kurzfristigen Änderungen des Kapitalanlagengesetzbuch (KAGB) zu berichten. „Der Gesetzgeber hat mit seinen Neuregelungen des Gesetzes im April und Juli diesen Jahres die Anforderungen an die Planungen von Bürgerwindprojekten sukzessive verschärft.“, so der Jurist. Nach der neuesten Fassung müssen sich Bürgergenossenschaften auf weitere Hürden bei der finanziellen Beteiligung an Windprojekten einstellen. Eine umfassende Prüfung der Neuregelungen stehe jedoch noch aus. Der BWE ist ebenfalls um Aufklärung bemüht.

Auch in den anderen Foren zu Themen der Bürgerbeteiligung, Kleinwindkraft, Naturschutz u.a. wurde dem interessierten Zuhörer ein breites Spektrum an Informationen und spannenden Diskussion geboten. Die große Teilnehmerzahl und die rege Beteiligung der Gäste bestätigte die Veranstalter, allen voran den RV-Vorsitzenden Michael Häußer und Sandra Hook, Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats im BWE, mit ihren Themen den richtigen Nerv getroffen zu haben.

Programm des 3. Hessischen Windbranchentages

Download der Vorträge des Windbranchentages



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Quelle: www.wind-energie.de/presse/meldungen/2014/3-hessischer-windbranchentag-frankfurt