Sächsicher Windenergietag

Der Landesverband Sachsen organisierte in diesem Jahr wieder einen sächsischen Windenergietag in Leipzig. Dieser fand am 27. Oktober 2016 bereits zum 20. Mal statt. Auf dieser Seite finden Sie Informationen und Bilder zu der Veranstaltung,

Unter der Überschrift „Das EEG 2017 – Förderung durch Ausschreibung? Perspektiven und Probleme“ hatte der BWE Sachsen zahlreiche Experten und Landespolitiker zur Bestandsaufnahme und Diskussion eingeladen. Dr. Harry Lehmann, Fachbereichsleiter im Umweltbundesamt, stellte klar, dass zukünftig auf die Energiespeicherung im Rahmen von Energie- und Ressourcenwende verstärktes Augenmerk gelegt werden sollte. Dies muss aber, um längerfristig greifen zu können, branchenübergreifend passieren – also nicht nur auf erneuerbare Energien bezogen, sondern eben auch auf Industrie, Landwirtschaft oder Verkehr. 

Dr. Julia Verlinden MdB/Grüne und Energiepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, informierte, dass bereits heute Kraftwerke für erneuerbare Energie im Vergleich zu Kohle- und Atomkraftwerken kostengünstiger arbeiten. „Die Bürgerenergie muss sich gemeinsam mit Stadtwerken und anderen herkömmlichen Energieunternehmen als neue Energiewirtschaft definieren, um eine effektive Energieeffizienzpolitik erreichen zu können“, so Dr. Verlinden, „aber das reicht nicht aus. Ziel muss eine komplette Mobilitätswende sein – nur so können wir einer sonnigen Zukunft entgegensehen.“

An Zeit nach der Braunkohle denken
Hermann Albers, Präsident des BWE-Bundesverbandes, wiederum appellierte an die sächsische Landesregierung: „Der Freistaat sollte beherzt an die Umsetzung der Energiewende gehen, auch um den Menschen, die heute noch von der Braunkohle abhängig sind, eine echte Perspektive zu geben. Schließlich hat Sachsen noch erhebliches Potenzial, wenn es um die künftigen Leitmärkte Erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Sektorenkopplung geht.“ Albers kündigte zudem an, den Kontakt zum Bundeswirtschaftsministerium zu suchen, um Repowering nicht nur im kommunalen Bereich zu vereinfachen.

Sachsens Ausbauzahlen weiter auf niedrigem Niveau
Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schlegel stellte den aktuellen Stand der Windenenergieproduktion in Sachsen sowie die Anzahl neu errichteter Windenergieanlagen im Freistaat vor: „Ende September dieses Jahres standen 867 Windräder in Sachsen. Bis Jahresende werden aller Voraussicht nach sechs neue hinzukommen. Fünf neue Anlagen wurden über das Jahr 2016 verteilt bereits neu errichtet. Dennoch reduziert sich insgesamt die pure Anzahl der Windenergieanlagen im Vergleich zum Vorjahr leicht. Dies hat mit Repowering-Projekten zu tun. Die Energieproduktion aus Windenergie konnte daher dennoch von circa 1.800 GWh im vergangenen Jahr auf voraussichtlich 1.950 GWh in diesem Jahr steigen.

Windenergie-Arbeitsplätze in Sachsen
Der schleppende Ausbau der Windenergie in Sachsen spiegelt sich auch bei den Beschäftigtenzahlen in der Branche wider. Auch hier liegt Sachsen im Vergleich deutlich hinter den anderen Bundesländern. Dies verdeutlichte Dr. Ulrike Lehr von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH aus Osnabrück (GWS) in ihrem Vortrag. Der BWE Sachsen hatte die GWS mit einer aktuellen Bestandsaufnahme der Arbeitsmarktsituation in Sachsens Windenergiebranche beauftragt. „Derzeit sind knapp 6.000 Beschäftigte in Sachsens Windenergiesektor tätig. 15 Prozent davon im Betrieb und der Wartung und 85 Prozent im Bereich Neuinstallation, einschließlich Planung, Projektierung und der Fertigung von Komponenten für den deutschlandweiten sowie internationalen Export. Die Arbeitsplatz-Zuwachsraten lagen 2012/2013 bei zwölf und 2013/2014 bei sechs Prozent. Die unterdurchschnittliche Entwicklung bei den Neuinstallationen in Sachsen zeigt sich bei diesen Zahlen eben auch hier“, so Dr. Lehr.

Herausforderung EEG 2017
Über 150 Branchenvertreter erlebten einen inhaltlich sehr intensiven Windenergietag mit vielen Kurzvorträgen à 20 Minuten. „Sachsens Regierungskoalition muss die im Koalitionsvertrag versprochene Neuausrichtung der sächsischen Energiepolitik auch wirklich angehen. Die CDU bremst hier, während die SPD diese Wende will. Wir werden weiter diese Neuausrichtung einfordern“, bekräftigte Prof. Maslaton zum Abschluss des Windenergietages. „Mit Wind im Rücken sind wir auf dem richtigen Weg.“ Die Zeit für eine echte Energiewende auch in Sachsen, so war man sich auf dem 20. Windenergietag einig, ist überfällig. Dies gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Windbranche in Deutschland vor zwei entscheidenden Jahren steht. 2017 und 2018 werden noch Projekte umgesetzt, für die bis Ende 2016 Genehmigungen erteilt sind. Parallel muss sich die Branche mit Hochdruck auf das neue Ausschreibungssystem vorbereiten, welches am 1. Mai 2017  startet. Gerade kleine Projektträger, Genossenschaften und Bürgerenergieprojekte sind verunsichert, obwohl sie das Fundament für Akzeptanz und Bürgerbeteiligung geschaffen haben.

Neuwahl des Landesvorstandes
Im Anschluss an das offizielle Programm des Jubiläumswindenergietages trafen sich die Mitglieder des BWE Sachsen zu einer Mitgliederversammlung. Bei dem Treffen wurde unter anderem auch der Vorstand des Landesverbandes neu gewählt. Bei dem zwei Jahre amtierenden Gremium kam es zu keinen personellen Veränderungen. Für zwei weitere Jahre wurden gewählt und damit bestätigt: Prof. Dr. Martin Maslaton (MASLATON Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Leipzig) als Vorsitzender, Gernot Gauglitz (UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG, Meißen) als stellvertretender Vorsitzender, Kerstin Mann (VSB Neue Energien Deutschland GmbH, Dresden) als Schriftführerin und als weitere Vorstandsmitglieder Bernhard Weigel (BOREAS Energie GmbH, Dresden), Uta Barthel (RCM GmbH Regenerative Energie Consulting und Management, Dresden) sowie Frank Bündig (Energieanlagen Frank Bündig, Waldheim).

Weitere Informationen finden Sie in der Dezemberausgabe von BWEintern.

Bilder vom 20. Sächsischen Windenergietag



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    Quelle: www.wind-energie.de/node/5083