5. Windbranchentag im Ländle

17. Juni 2013

5. Windbranchentag im Ländle

Kommt der Windenergieausbau im Schwabenland mit neun im Jahr 2012 neu errichteten Anlagen noch in Gang? Ist das Ziel der grün-roten Landesregierung, bis 2020 jährlich 120 neue Windkraftanlagen zu zubauen, zu halten? Diesen Fragen stellten sich Referenten und Teilnehmer des 5. Windbranchentags Baden-Württemberg, der Anfang Mai in der mit 350 Teilnehmern bestens gefüllten König-Karl Halle im Stuttgarter Haus der Wirtschaft stattfand.

Wie ist also der aktuelle Stand in puncto Windkraftausbau? Umweltminister Franz Untersteller zu den bescheidenen Zahlen: „2012 war das Jahr des Umbruchs, 2013 ist das Jahr der Planung und 2014 wird das Jahr des relevanten Zubaus sein.“ Immerhin, so berichtete die Präsidentin des Regierungspräsidiums Freiburg, Bärbel Schäfer, befänden sich von 90 kommunalen Planungsträgern mit windgeeigneten Flächen 77 in der Planungsphase und 72 in der Beteiligungsphase. Genug Angebot an geeigneten Flächen also? Keineswegs, denn das Angebot an faktisch bebaubarer Fläche schnurrt oft zusammen wie ein Luftballon, dem gerade die Luft ausgeht.

Als Hindernis Nummer 1 gilt: der Artenschutz. Frank Hummel, Geschäftsführer der SoWiTec Group in Sonnenbühl berichtete exemplarisch über ein Gebiet mit über sechs Metern pro Sekunde Windgeschwindigkeit. Diverse Rotmilanhorste hätten dafür gesorgt, dass von den 115 potenziellen nur 15 mögliche Windkraftstandorte geblieben seien. Die Kommunen würden, so Jörg Dürr-Pucher von WPD, allzu oft Kreisflächen um die Horste 1:1 als Planungsgrundlage nehmen. Bei genauer Betrachtung würde deutlich, dass die tatsächlichen Nahrungssuchgebiete der Vögel zum Teil deutlich abwichen. Wie also kommt der Projektierer zu einer, den tatsächlichen Gegebenheiten angepassten Schutzfläche um den Horst?

Wolfgang Reimer vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg reagierte prompt und sprach: „Hier können Sie bauen!“ Doch der Projektierer wird die Sorge nicht los, dass er seine kommunalen Ansprechpartner im Alltag weiter mit teuren Gutachten überzeugen darf. Bärbel Schäfer vom Regierungspräsidium Freiburg forderte deshalb, die naturschutzrechtliche Methodik an „einer am Maßstab der praktischen Vernunft ausgerichteten Prüfung“ zu orientieren.

Hindernis Nummer 2: die Staatsforste Baden-Württemberg. Hier gebe es gemäß dem BWE-Landesvorsitzendem Walter Witzel starken Unmut wegen fehlender vertraglicher Klarheit, vor allem bei Kombiflächen von Staatsforst und Kommunen. Wolfgang Reimer unterstrich: Alle Flächen müssten vor einer endgültigen Vergabe nach EU-Recht ausgeschrieben werden. Verträge mit Kommunen könnten aufgrund der Ausschreibung in Kombizonen später ihre Gültigkeit verlieren. Die Praxis, nach der finanzielle Kriterien des Projektierers mit 70 Prozent in die Entscheidung für das Projekt eingingen, führe dazu, dass die Vorleistungen aus der Erkundungsphase eines gegebenenfalls anderen Projektierers nur nachrangig berücksichtigt würden.

Diese und weitere Faktoren sorgten für reichlich Unmut, so Walter Witzel. Während zahlreiche Redner forderten, in der Zusammenarbeit mit den Kommunen Flächen differenzierter zu betrachten und so den Fokus auf ertragreiche Flächen zu legen, verteidigte Reimer vehement die Vorgabe, zuerst die einfachen, gegebenenfalls weniger ertragreichen Flächen zügig zu bebauen.

Apropos Ausbautempo: Bärbel Schäfer betonte, dass die systematische Qualifizierung der kommunalen Ansprechpartner vor dem Eintreffen der Projektierer eine die Zusammenarbeit vereinfachende Wirkung habe. Dabei und bei der gesamten Begleitung aller Beteiligten würden die neu geschaffenen Kompetenzzentren für Energie eine zentrale Rolle spielen. Leider seien diese jeweils nur mit einer Vollzeitstelle ausgestattet. Leicht wird es nicht, so Umweltminister Untersteller: „Im letzten Jahr haben wir gesagt: Die Mühen der Ebenen liegen vor uns, in diesem Jahr kann man sagen: Wir befinden uns mittendrin.“ Alle Beteiligten sind gespannt, ob 2014 tatsächlich zum Jahr des Ausbaus wird.

Merken Sie sich deshalb den 28.05.2014 als Termin für den 6. Windbranchentag Baden- Württemberg vor.

Die Folien der Experten-Vorträge des Branchentages  finden Sie hier

Tags zum Artikel: Bundesländer, Potenziale, Unternehmen, Verband



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Quelle: www.wind-energie.de/infocenter/meldungen/2013/5-windbranchentag-im-laendle