Quotenmodel für forcierte Energiewende ungeeignet

24. September 2012

Quotenmodel für forcierte Energiewende ungeeignet

Erfolgloser sächsischer Wirtschaftsminister für erfolgloses Einspeisesystem bei den Erneuerbaren. Pressemitteilung des BWE Landesverbandes Sachsen. Der Leipziger Energierechtsexperte und BWE-Landesvorstand Prof. Dr. Martin Maslaton zeigt sich nicht nur überrascht, sondern steht auch höchst skeptisch zur jüngsten Idee des sächsischen Wirtschaftsministers Sven Morlok, das derzeit im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) geregelte Vergütungssystem für Strom aus erneuerbaren Energien (EE) ab dem Jahr 2015 durch ein Quotenmodel zu ersetzen.

Morlok hatte auf einer Pressekonferenz am 10. September seine Vorstellungen für ein „EEG 2.0“ präsentiert. Demnach plädiere die sächsische Staatsregierung dafür, den Ausbau der erneuerbaren Energien statt wie bisher durch eine gesetzlich garantierte Mindestvergütung künftig durch ein Zertifikatesystem sicherzustellen. Dabei lege der Gesetzgeber neben einer grundsätzlichen Selbstvermarktung des grünen Stromes fest, welchen Mindestanteil an EE-Strom Elektrizitätsversorger und bestimmte Letztverbraucher im Jahresdurchschnitt zu beziehen haben. Pro Megawattstunde erzeugten EE-Stroms sollen die Erzeuger von grünem Strom dann ein „Grünstromzertifikat“ erhalten, das handelbar ist. Ob die Verpflichteten (z.B. Stadtwerke) den EE-Strom selbst erzeugen, von Dritten beziehen oder Grünstromzertifikate erwerben, bleibe ihnen überlassen.

„Die Idee eines Quotenmodels ist bei Weitem keine neue“, so Maslaton. „Bereits seit Ende der 1990er Jahre gibt es vor allem von Seiten der großen Energieversoger und deren Interessenvertreter (BDEW) immer wieder Ansätze, den Ausbau der erneuerbaren Energien über Zielquoten und Kontingentierungen zu steuern.“ Die offenkundigen Nachteile eines solchen Quotensystems ließen sich gegenwärtig allerdings ganz konkret am Beispiel des Emissionshandels, in dessen Rahmen der von Morlok angedachte Zertifikatehandel seit Jahren gelebt wird, absehen. Von einer Kosteneindämmung, wie sie dem sächsischen Wirtschaftsminister vorschwebt, könne nicht im Entferntesten die Rede sein. Vielmehr habe der mit dem Zertifikatehandel verbundene enorme administrative Aufwand auf Betreiberseite zur stetigen Kostensteigerung und letztlich dazu geführt, dass immer mehr und vor allem kleinere Anlagen aus dem Emissionshandel heraus genommen worden sind. So ließen sich aber gerade im Bereich der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien weder die ambitionierten Ausbauziele der Bunderegierung noch eine spürbare Entlastung der Verbraucher erreichen.

„Der Bundesgesetzgeber hat sich an dieser Stelle deshalb auch ganz bewusst und aus guten Gründen für das Mindestvergütungsmodell entschieden, denn Quotenmodelle leiden regelmäßig an eklatanten Schwachstellen. So ist bei einer (einheitlichen) Zielquote schon per se damit zu rechnen, dass lediglich die schon heute nahezu marktfähigen Techniken wie etwa die Windenergie zum Einsatz kommen und andere nicht mehr gefördert werden. Damit werden aber die Innovationspotenziale bei den erneuerbaren Energien nur unzureichend erschlossen. Die dynamische Effizienz der Förderung ist somit äußerst gering. Überdies richtet sich in einem Quotenmodell der Zertifikatpreis tendenziell nach den Kosten der letzten EE-Strom-Einheit. Den Betreibern bereits abgeschriebener oder an günstigen Standorten arbeitender Anlagen würden damit unter Umständen erhebliche ‚windfall profits‘ zufallen. Schließlich ist zu erwarten, dass die Kapitalgeber im Rahmen eines Quotenmodells höhere Risikoaufschläge auf die Verzinsung des eingesetzten Kapitals verlangen würden als beim EEG, da die garantierte Mindestvergütung entfiele und damit das Investitionsrisiko beträchtlich zunähme – vor allem wegen des Vermarktungsrisikos und des Risikos schwankender Zertifikatspreise.“

Das EEG habe dagegen seine Effektivität, die Ausbauziele der Bundesregierung zu erreichen, in den letzten Jahren eindrucksvoll nachgewiesen. Dies wird vor allem mit einer nach Technik, Anlagengröße und Standort hoch differenzierten, den tatsächlichen Mehrkosten genügenden Förderung bewirkt. „Im Ergebnis“, resümiert Maslaton, „fügt sich das vergangenen Montag vorgestellte Konzept Morloks damit in bezeichnender Weise nahtlos in die Regierungspolitik des sächsischen Ministerpräsidenten Tillich ein, der in der Energiewende ohnehin in erster Linie ‚eine Chance für die heimische Braunkohle‘ sieht.“

Presserückfragen: Prof. Dr. Martin Maslaton, Telefon 0341 149500, E-Mail: martin@maslaton.de; Stephan Trutschler (MEDIENKONTOR), Telefon 0177 3160515

Tags zum Artikel: Bundesländer, EEG, Vergütung



Mitglieder Login

User login

Quelle: www.wind-energie.de/infocenter/meldungen/2012/quotenmodel-fuer-forcierte-energiewende-ungeeignet