Europa

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Ende 2010 deckten die 27 EU-Mitgliedsstaaten 56 Prozent ihres Energiebedarfs durch Importe von Öl, Gas, Kohle und Uran. Bis 2030 wird der Importanteil auf über zwei Drittel steigen. Die Abhängigkeit von fossiler Energie wurde im letzten Jahrzehnt mit dem Zubau von insgesamt 118 Gigawatt Erdgaskraftwerksleistung zementiert. Allerdings zeichnet sich ein Gegentrend ab.

Denn die Kapazitäten von Kohle-, Öl- und Atomkraftwerken gingen seit dem Jahr 2000 um rund 30 GW zurück, während die kumulierte Leistung von Wind-, Photovoltaik-, Wasserkraft- und Biomasseanlagen um 107 Gigawatt zulegte. Davon entfielen 75 GW auf Windenergie, die zuletzt drei Jahre Spitzenreiter beim Zubau war. Laut “EU energy trends to 2030" erwartet die EU-Kommission 333 Gigawatt neue Kraftwerksleistung bis 2020. Mit 136 Gigawatt oder 41 Prozent soll der Löwenanteil auf Windenergie entfallen.

Pioniere Dänemark und Deutschland

Die Anfänge der Windindustrie reichen in Deutschland und Dänemark in die 70er Jahre zurück. Ein Jahrzehnt später hatten WEA durchschnittlich 100 bis 150 kW Leistung. Mitte der 80er bekam die junge Branche Auftrieb durch Dänemarks Absage an die Atomkraft. Stattdessen öffneten das Land seine Stromnetze für Windstrom und sicherte Erzeugern feste Einspeisetarife zu. Fünf Jahre später waren 100 MW Windenergieleistung installiert, 1999 schon 1.500 MW und Ende 2010 exakt 3.752 MW. Windenergie deckt heute ein Viertel des dänischen Strombedarfs.

Hierzulande gab das Stromeinspeisegesetz das Aufbruchssignal. Der EEG-Vorläufer verpflichtete Netzbetreiber ab 1991, ihre Netze für dezentral erzeugten Strom zu öffnen und garantierte Erzeugern eine Mindestvergütung. Das Gesetz und erst recht das später vielfach kopierte EEG mit seinen langfristig garantierten Einspeisevergütungen setzen enorme Dynamik in Gang: bis 1994 gingen 1.000 MW Windenergieleistung in Betrieb, bis 2001 schon 10.000 MW und Ende 2010 erzeugten 21.607 WEA mit 27.214 MW Gesamtleistung CO2-freien Strom. Deutschland blieb ein Jahrzehnt globaler Leitmarkt. Die deutsche Windindustrie ist ein Beschäftigungsmotor mit über 100.000 Stellen und gilt als  technologisch führend. WEA aus hiesiger Produktion sind Exportschlager. Neben ihrer Zuverlässigkeit mit Verfügbarkeiten um 98 Prozent überzeugt ihre Effizienz.

Windmacht Europa

Die installierte Windenergieleistung steigt in Europa seit 15 Jahren mit jährlichen Raten von 17,5 Prozent. Wurden 1995 noch 814 MW zugebaut, waren es letztes Jahr bereits 9.883 MW. Damit stieg die Gesamtleistung auf 86 GW. Sie reicht in  durchschnittlichen Windjahren für 180 Terrawattstunden klimaneutralen Strom, der 5,3 Prozent des europäischen Bruttostrombedarfs deckt. Europa bleibt vor Asien (58,6 GW) und Nordamerika (44,2 GW) führende Windmacht. Anders als vor einem Jahrzehnt, als Deutschland, Spanien und Dänemark 85 Prozent des EU-Marktes auf sich vereinten, ruht der Erfolg heute auf vielen Schultern.

So hat das Wachstum in Südosteuropa den 2010 rückläufigen Zubau in den Top-Märkten Deutschland, Großbritannien und Spanien fast komplett kompensiert. Wichtigster Markttreiber ist die Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien. Darin legt die EU fest, dass Erneuerbare Energien bis 2020 ein Fünftel des Endenergiebedarfs decken sollen. Windenergie kommt dabei als weitgehend ausgereifter Technologie eine zentrale Rolle zu.

Tags: Europa, Klimaschutz, Netze, Onshore



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Quelle: www.wind-energie.de/politik/europa