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In der Garantiezeit sind Wartung und Service von Windenergieanlagen vielfach kein Problem. Die Hersteller der Anlagen kümmern sich um die Instandhaltung oft ohne Aufsehens. Nach Ende der Gewährleistung müssen sich die Betreiber aber zwischen Vollwartungsverträgen oder einem Basisservice für ihre Anlage beim Turbinenhersteller entscheiden – oder für den Wechsel zu einem unabhängigen Instandhaltungsfirmen. Jährlich befragt der BWE seine Betreiber nach der Servicequalität. Auch 2008 ärgerten sich viele von ihnen über ihre Hersteller. Inzwischen erklingen hier und da aber auch Klagen über freie Wartungsdienste. Und der Abstand zum Service der Turbinenproduzenten schwindet.
Erst Mitte 2008 war ein Verfahren vor dem Bundeskartellamt gegen die sieben führenden deutschen Anlagenbauer zu Ende gegangen, aber nur mit einer Ermahnung: Die Behörde war demVerdacht nachgegangen, die Turbinen-Hersteller würden Zulieferer vom Ersatzteilverkauf an Dritte abhalten. Am Ende warnte die Behörde, bei einem solchen Verhalten seien prinzipiell Bußgelder bis zu einer Million Euro möglich. Federführend für 80 Betreiber hatten die Eckernförder Wind7 AG und die Leipziger Zopf GmbH für eine Lösung in einer chronischen Auseinandersetzung gestritten. Sie dreht sich darum, dass die Hersteller nach Beobachtung vieler Betreiber im schnell wachsenden Windmarkt häufig Engpässe bei Ersatzteilen und Monteuren einräumen müssen. Zugleich aber wollen sie unabhängigen Instandhaltungsfirmen weder technologisches Wissen noch den Zugang zu den Komponenten-Zulieferern freigeben.
Auch die Serviceumfrage 2008 des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) bringt Kritik an der Versorgung mit Ersatzteilen und der Preisgestaltung durch die Anlagenhersteller zu Tage.
Befragt hat der Verband die im BWE gemeldeten Betreibergesellschaften oder Einzelbetreiber (insgesamt: 1.999). 676 Fragebögen schickten die Windmüller zurück, viele hatten als Betriebsführer verschiedener Windparkgesellschaften mehrere Fragebögen ausgefüllt. 601 Bögen konnten in die Wertung einfließen, 75 Antworten nicht berücksichtigt, weil sie unvollständig waren oder nur eine geringe Zahl von unter fünf Antwortbögen für die Beurteilung eines Serviceanbieters zusammengekommen war. Dazu gehört wie schon im Vorjahr der Westerwälder Hersteller Fuhrländer. Ingesamt beurteilten die Betreiber den Service an 2.047 Anlagen (Vorjahr: 1.006 Fragebögen, 3.096 Anlagen, neue energie 3/2008).
Ein wichtiges Fazit: Der Anteil der Servicekunden, die mit anderen Wartungsteams auf ihren Mühlen liebäugeln, bleibt bei vier von sechs Herstellern noch immer zweistellig. Und erneut wechselten mehr in den unabhängigen Service, als die Hersteller durch Neuaufstellungen im Service dazu gewonnen haben. 18 Prozent der Fragebögen kamen von Betreibern, die 2008 auf ein Serviceunternehmen in Unabhängigkeit vom Mühlenlieferanten setzten, 2007 waren es 16 Prozent. Andererseits beklagen Betreiber bei den zügig wachsenden freien Serviceunternehmen nun ähnliche Mängel wie bei den Etablierten. Kritische Aussagen in der Bewertung zeigen an, dass nicht allen Anbietern der Spagat zwischen Wachstum und Servicefreundlichkeit ohne zwischenzeitlichen Ansehensverlust gelingt (siehe Tabelle 1).

Beim 2008 gegründeten BWE-Forum Unabhängige Instandhaltung hofft Hans-Heinrich Albertsen dennoch auf weiteres Wachstum und mehr Wettbewerb. Der Forumssprecher setzt auf einen möglichen Anteil der „Instandhalter“ von 20 Prozent am Servicegeschäft. Derzeit mischten die rund 100 unabhängigen Serviceunternehmen erst „im einstelligen Prozentbereich“ mit. Für problematisch hält Albertsen die Tendenz, dass einige Anbieter als Betreiber und Servicefirma zugleich aufträten. Seine Befürchtung: „Was ist, wenn es eng wird mit Ersatzteilen? Vielleicht werden dann die eigenen Anlagen bevorzugt – und die anderen vernachlässigt.“

Einige Hersteller haben jedoch zu kräftigen Reaktionen ausgeholt. Vestas kehrte seinen Negativtrend aus vergangenen BWE-Serviceumfragen um. Das Unternehmen startete eine Reformkampagne. Zu dieser gehören wie bei inzwischen den meisten Herstellern modular abschließbare individuelle Wartungsverträge, aber auch ein neues Management der Kundenpflege, die dauerhafte Zuteilung jeder einzelnen Turbine zu einem speziellen Service-Team und ein neues Logistikzentrum. Die Ersatzteillogistik soll künftig von den Speditionsunternehmen TNT und Schenker organisiert werden, um bei Serviceeinsätzen just in time und besonders schnell Komponenten anliefern zu können. GE Wind in Salzbergen will wiederum Betreibern dabei helfen, sich eigene Ersatzteilpools anzulegen. Siemens möchte ab Sommer 2008 in einem eigenen neuen Schulungszentrum die Servicetechniker aber auch Kunden für (selbstständige) Wartungen und Reparaturen fortbilden. Nordex bietet den Kunden seit 2008 regelmäßige Treffen an, bei denen über mögliche Optimierungen der Anlagen verhandelt wird. Auch Repower, das seit Jahren als befriedigend bis gut im Service gilt, kündigt ein verbessertes Schulungskonzept für die eigenen Mitarbeiter an. Und selbst der stets top bewertete Enercon-Service soll sich in punkto Transparenz seiner Wartungseinsätze verbessert haben. Die Auricher halten nun ihre Serviceteams an, mehr Dialog mit Kunden zu führen. Manche Windturbinen-Bauer aber lassen zugleich in einigen Bewertungskategorien noch nach - weshalb die Betreiber einzelne Service-Qualitäten ihrer Hersteller lobten und andere umso stärker kritisierten (Tabelle 2).